WIKIs in der Lehre – gar nicht schnell und auch nicht einfach – aber trotzdem/deshalb…

Heute mal nicht v. a. Social Media Reflexion, sondern inhaltlicher Input als Heimspiel – das macht mal ja auch wieder Freude!

Danke an Cogneon Akademie für die kurzweiligen 10 Minuten über Wikis, ihre Geschichte und ihren Einsatz in Unternehmen. Ein schöner kurzer Überblick, finde ich.

Cogneon legt in den Ausführungen zum Einsatz den Fokus auf die Nutzung von Wikis im Unternehmenskontext – und ich möchte das gern um Wikis in der Lehre ergänzen.

Oftmals ist es ja sehr gewinnbringend Tools ein bisschen “gegen den Strich zu bürsten” und statt auf die beabsichtigte Nutzung auf das zu schauen, was man didaktisch betrachtet draus machen kann. Ich liebe Denkweisen, die dazu führen, Virtual Classrooms mit Aufzeichnungsmöglichkeit als Film-Erstellungs-Tool zu nutzen, Twitter als Gruppen-Chatraum, ein Weblog als Aufgabenverwaltungs-Tool etc.

Aber zurück zum Wiki in der Lehre:

Dazu gibt es eine große Vielzahl an online-Artikeln (eine Auswahl am Post-Ende). Vielleicht profitiert aber jemand von konkreten Anwendungsbeispielen – und einigen sog. “Erfolgsfaktoren”. Wir haben für den Wiki-Einsatz anfangs (ca. 2005) freie Wikis mit passwortgeschützten Zugängen genutzt (das extra Einloggen war aber lästig), später dann – als es sie dort endlich gab, jeweils das Wiki, das in die Lernplattform integriert war (oft nicht optimal, aber nutzbar).

1. WIKI für Teamaufgaben

Wir setzen gern und oft Wikis als Alternative zu einem Dokumentenmanagementsystem in der virtuellen Teamarbeit ein. Mit begleitendem Forum. Ein Team bearbeitet ein Fallbeispiel entlang einer konkreten Fragestellung – und richtet sich für die Teilfragen, Literaturhinweise, Vorbereitung des Abgabe-Dokuments etc. Wiki-Seiten ein, die alle Beteiligten lesen und bearbeiten können. Ergebnis ist ein aus dem Wiki erstelltes Lösungsdokument, das an den Tutor geschickt wird.

Bevor wir Wikis eingesetzt haben, haben die TN mit verschiedenen Versionen eines WORD-Dokuments gearbeitet, das sie im Forum, per Mail oder über einen gemeinsamen Ablageordner ausgetauscht haben. Das führte zu einigen Schwierigkeiten bei unterschiedlichen WORD-Versionen, bei gleichzeitigem Bearbeiten verschiedener Versionen, beim Einsatz der Überarbeitungsfunktion etc.

Was braucht es für Teamaufgaben per Wiki:

  • Eine klare und geeignete Aufgabenstellung sowie einen klaren Zeitrahmen.
  • Eine hauptverantwortliche Person (bewährt bei allen Teamaufgaben), die den Erarbeitungsprozess lenkt – zeitlich und ggf. auch inhaltlich.
  • begleitende Foren: Bewährt hat sich: Diskussionen konsequent nicht im Wiki selbst – sondern in begleitenden Foren zu führen. Die Wiki-bestückenden Teilnehmer können hier kritische Punkte diskutieren und die Arbeit im Wiki koordinieren.
  • Auch hilfreich: konsequent im Forum bekannt geben, wenn man etwas beigetragen hat – und welche Punkte man selbst als kritisch einschätzt, wo man gern Ergänzungen, Feedback hätte. So lösen wir die Skrupel ein wenig, die manche haben, wenn sie in ein Wiki schreiben sollen, weil sie meinen, es müsste dort gleich alles “richtig” sein.

Technische Anforderungen/Wünsche:

  • Farbliche Markierung der Texte für alle Beitragenden, so dass gleich sichtbar ist, wer was geschrieben hat. (Wie gesagt, ich löse mich in diesem Szenario von dem “eigentlichen Gedanken” eines Wikis.)
  • Ex- und Import-Funktionen, die ein einfaches Einfügen von WORD- oder Excel-Dateien etc. möglich macht – und ein “zurück-Verwandeln” auch.
  • Alternative Etherpad? Für manche Aufgabenstellungen vielleicht gut geeignet. Da kenne ich aber noch keines, in dem verschiedene “Seiten” einfach und gut nachvollziehbar miteinander verlinkt werden, was ich bei den Wikis sehr hilfreich finde.

2. Wiki als Sammelstelle, in der kursintern “demokratisch gesammelt und autoritär strukturiert wird”

Bsp.: Im E-Trainer Kurs der AWW http://www.aww.uni-hamburg.de/Train_the_E-Trainer.html ist eine Aufgabe in der Lerneinheit zu Zielen-Methoden-Lernerfolgskontrollen die Sammlung didaktischer Methoden mit Umsetzungsmöglichkeiten in einem Wiki. Jeder Teilnehmer trägt zwei Methoden bei und unterstützt die anderen bei ihrer Methoden-Umsetzung. In einem Zeitraum von ca. zwei Wochen.

Jeder TN legt nach einem vorgegebenen Schema zwei Methodenseiten in einem WIKI an (Methode aus der Präsenzlehre benennen, Grundzüge kurz erläutern, Links dazu, konkrete Idee(n) zur Übertragung in e-Learning-Szenarien. Im begleitenden Forum gibt jeder bekannt, welche Methodenseiten er erstellt hat und wo er gern Ideen, Erfahrungen etc. der anderen hätte

Die Kommentare zu den Methoden im Forum werden für die Ergänzung, Verbesserung der Methodenseiten im Wiki genutzt.

Zum Abschluss strukturiert der Moderator die Sammlung und erstellt ein kommentiertes Inhaltsverzeichnis. Das Ergebnis eine e-Learning-Methodensammlung für alle / von allen Teilnehmenden.

Es braucht:

  • Klare Aufgabenstellung,
  • “Disziplin” in der Forennutzung,
  • klare Gliederungsvorgaben für die WIKI-Seiten (oder voreingerichtete Seiten)
  • und eine engagierte, vernetzende Moderation, die auch technisch schnell und kompetent unter die Arme greift.

Ist das schnell und einfach?

Nein gar nicht. Es ist mühsam: Die Teilnehmer mögen erst einmal keine Wikis, das ist unbekanntes Land und sie fürchten, sie brauchen HTML-Kenntnisse. Sie mögen sich auch nicht in die WIKI-Logik eindenken. Sie scheuen das parallele Arbeiten in Wikis und Foren.

Und dann tun sie es doch

  • weil ein zwei Teilnehmer und ein klarer ermutigender Moderator auf die Sprünge helfen
  • und sie eigentlich immer schon wissen wollten, wie so ein Wiki funktioniert
  • und weil ihnen dämmert, dass sie das auch in anderen Kontexten nutzen können
  • und weil die alternativen Arbeitsweisen eigentlich noch mehr Stolpersteine haben…
  • und weil das erkennbare Ergebnis überzeugt.

Und für die Moderatoren?
Ist es auch sehr mühsam. Man muss schnell reagieren, v.a. auf technische Fragen  -also häufige online-Anwesenheit einplanen und immer drauf gefasst sein, dass da eine größere Aufgabe bevor stehen könnte. Behutsam das Vertrauen der TN in ihre Wiki-Fähigkeiten stärken, schnell überzeugende Zwischenergebnisse sichtbar machen…

Aber dann hat es nicht nur inhaltlichen Sinn und methodischen Reiz – sondern fördert sehr das Miteinander zwischen den Team-Mitgliedern, den Kursteilnehmern, den TN und Moderatoren.

Denn das ist echtes Miteinander – voneinander Profitieren, arbeitsteilig Arbeiten, einander Motivieren. Bei aller Diskussion um soziales Netzwerken, Kollaboration und Kooperation findet man das doch sehr selten…

Vielleicht sind die Bespiele ein Ansporn es doch immer wieder zu versuchen mit dem “echten virtuellen Miteinander”, weil es wirklich klappen kann – und man für die harte Arbeit mehr als nur Schweiß bekommt.

Wer sich darüber sehr freuen würde?
Jasmin Hamadeh, mit bestem Gruß

und noch ein paar übersichtliche Links zu Wikis in der Lehre, falls jemand weiter einsteigen mag:
http://www.uni-potsdam.de/db/wiki/elearning/index.php/Wikis_in_der_Lehre
http://www.rubel.rub.de/wikis
http://www.bremer.cx/paper32/Bremer_Artikel1_DGI_Tagung.pdf (2008, aber in den Grundaussagen weiter aktuell)
http://mediawiki.htw-berlin.de/wiki/Wikis_in_der_Lehre
http://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/kommunikation/wikis/ – mit vielen weiterführende Links

2 Gedanken zu “WIKIs in der Lehre – gar nicht schnell und auch nicht einfach – aber trotzdem/deshalb…

    • Danke für deine freudliche Rückmeldung, und dass du den Kobold verpetzt hast, Daniel.
      Der Kobold ist in Sieben-Meilen-Stiefeln davon gerannt.

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