Give me an “o”? No!

Meine Kurzzusammenfassung aus dem unrepräsentativen Teil der Artikel, die ich gelesen habe und der Hangout-Aufzeichnung:

“Open” in MOOCs betrifft:

  • zum einen die Offenheit der Materialien / Inhalte,
  • dann geht es um Offenheit im Sinne von Zulassung (z.B. scheibt dazu Claudia Bremer), und ich würde das ausbauen zu “Zugangsvoraussetzungen” (formaler und informeller Art)
  • und um eine Offenheit als psychologisch-gesellschaftliches Phänomen (transparent sein, “Fehlerkultur”)

Wer will nicht offen sein? offen -  aufgeschlossen – austauschbereit – teilen wollen. Aus dem Hangout hallt bei mir nach (sinngemäß):

Was mit öffentlichen Geldern erarbeitet wird, muss der Öffentlichkeit zugute kommen.

Was man teilt, speist sich in ein System, in dem es besser gemacht wird.

Menschen sollen sich trauen, auch öffentlich Fehler zu machen, wir müssen lernen, mit eigenen Fehlern und denen anderer weniger wertend umzugehen.

Irgendwie – ja.
Aber vor allem: NO!

Was ist mein Problem? Der von mir gefühlte Tenor der Diskussion, wahrscheinlich. Denn:

Ich muss auch Geld verdienen:

Wie geht man den mit Input um, das nicht bereits an anderer Stelle von öffentlichen Geldern bezahlt wurde? Was ich hier (und generell in einem MOOC) schreibe, kann ich nicht mehr verkaufen. Macht in diesem Fall auch nichts. Aber an einem MOOC zur Didaktik von e-Learning-Formaten, zur Konzeption und Moderation von Webinaren o.ä. – nehme ich nicht – oder nur sehr gebremst – teil. Und wäre ich Expertin für Niedrigenergie-Häuser, würde ich in einem Niedrig-Energie-MOOC am ehesten in einem Hangout auftreten wollen und betonen, wie wichtig die individuelle Beratung ist… Es muss ja nicht jeder (c)MOOC einer über MOOCs oder die Zukunft des Lernens sein. Oder?

Martins Ebners (et al) Überlegungen zur “Der-Wert-und-die-Finanzierung-von-freien-Bildungsressourcen” gibt Ideen für OER-Materialien  – und sieht hier auch eine große Herausforderung. Und MOOC-Teilnahme – egal in welche Art “einspeisender Rolle” ist da auch nicht unkritisch – und noch schwieriger zu finanzieren.

Schließt “kommerziell” “offen” aus? Was heißt denn “kommerziell”? Dass sich der Chef eines Weiterbildungsunternehmens seine dritte Yacht damit finanziert? Wir kommen ja noch zu den Geschäftsmodellen… Aber ich würde schon einmal eine Bresche schlagen wollen für: Wer eine Dienstleistung anbietet, darf dafür auch bezahlt werden wollen. Nicht jeder, der nicht ungeteilt JA! zu CC-Lizenzen sagt, disqualifiziert sich für einen MOOC – oder?

Ich will nicht, dass jeder mitmacht.

Martin Ebner sag ganz pragmatisch, wenn er “massive” sein will, dann muss er “open” sein, der MOOC.

Das klingt überzeugend. Und doch: Es wird ja bereits an mehreren Stellen diskutiert, dass für eine Teilnahme an einem MOOC natürlich eine gewisse Medienkompetenz nötig ist, dass man eine bestimmte Art kommuniktiver Mensch sein muss, Transparenz in manchen Punkten nicht scheuen darf – und es wurde auch gefragt, ob das in einem Open Course denn hingenommen werden kann.

In meiner Einschätzung kann man dazu nur JA sagen: Ein MOOC ist nur für solche, die in irgend einer Weise MOOCen wollen und können. Und auch ein thematischer Fokus ist natürlich in gewisser Weise ausgrenzend. Aber es soll ja auch funktionieren. Man muss ja auch eine Basis haben, auf der sich die Beteiligten bewegen. Ihr wollt eine MOOC, der wirklich für jeden offen ist? Egal wie aufgeschlossen? Egal wie medienkompetent? Wie vorgebildet? Egal wie was auch immer? Der MOOC findet offline statt – und ist das Leben.

Randnotiz: Spannend fand ich zu beobachten: “Nur “zuschauen” oder mitlesen wird in dieser Woche (im Hangout v.a.) weniger akzeptiert. Ist auch schwerer: Als eine Notwendigkeit des Offenen wird angeführt, dass auch ins System zurück-gespeist wird.

Ich will nicht die Gesellschaft MOOC-fähig machen.

Wahrscheinlich bin ich keine Rebellin des Lehrens. Ich möchte nicht die Gesellschaft verändern, damit ich einen MOOC machen kann. Ich lebe in einer Gesellschaft und möchte ausloten, ob/unter welchen Umständen man für und mit Menschen aus dieser Gesellschaft einen MOOC machen kann. Das heißt nicht, dass man aus meiner Sicht keine MOOC-Einführungen oder technischen Hilfestellugen geben sollte.

Ton Zijlstra sagte im Hangout: “Menschliche Eigenschaften sind die Grenzen des Offenen”. Es ging u. a. darum, wie viel man reingeben mag, ohne etwas davon zu haben und wie man mit der entstehenden Transparenz umgeht.

Das finde ich schön auf den Punkt gebracht. Die einen kommen da vielleicht zu dem Schluss, dass man dann an den menschlichen Eigenschaften arbeiten muss – für die mittelfristige Planung würde ich mich darauf konzentrieren, wie diese Eigenschaften aussehen und wie man mit den damit verbundenen Grenzen konstruktiv für einen MOOC umgehen kann.

Soweit – ganz offen,
Jasmin