der LA-Kategorien-Generator

Learning Analytics: Wir sammeln, was mit dem Lernprozess zu tun hat.
So geht es nicht. Denke ich, je mehr ich dazu denke.

Die entsprechenden Seiten im Horizon Report, die Live-Session, Blogbeiträge und weiterfühenden Links / Artikel beziehen sich auf viele sehr verschiedene Dinge. Über die kannman m. E.  nicht generell einen Eimer Datenschutz-Sorge oder Lob auf Lerner-Unterstützung oder Unwohlsein wegen Hochbegabten- oder Lehrpersonal-Zusatzanforderung etc. ausschüttten.

Um was für Kategorien geht es hier? Und warum sind die nicht über einen Kamm zu scheren? Hier ein erster Kategoriesierungsversuch:

A Zielpersonen im Fokus der Datensammlung / Analyse

  1. der einzelne Lerner
  2. eine “Lern-Kohorte” (Teilnehmer eines Seminardurchlauf, eine Klasse zu einer Lerneinheit u. ä.)
  3. übergreifend: alle Teilnehmer eines Seminars / Programms / einer Lehrveranstaltung – in all seinen oder mehreren Durchläufen)

B Auswerter: Für wen werden die Daten oder die Ergebnisse der Analyse in erster Linie erstellt?

  1. für den individuellen Lerner
  2. für den Lehrenden
  3. für die Bildungsanbieter
  4. für allgemeinere Forschungungszwecke

C Zielrichtung: Was soll mit der Analyse erreicht werden?

  1. Bewertung des Lernfortschritts/-erfolges
  2. Vergleich der Leistungen
  3. Rechtzeitig über mögliche Lernschwierigkeiten infomiert sein
  4. Informationen zur Nutzung einzelner Funktionen / Bereiche bekommen (> Optimierung)
  5. Teilnehmer-Vorwissen einbeziehen

Die Elemente dieser drei Kategorien können kombiniert werden:

Die klassische Fragestellung “Kann ein Zertifikat ausgestellt werden?” führt z. B. zur  Betrachtug der Kombination: Zielpersonen im Fokus: einzelner Lerner; Auswerter: Lernerfolg; Zielrichtung: Bewertung des Lernerfolgs

Oder eine Frage wie  “Sollen wir weiterhin in paralleles Bereitstellen von HTML- und PDF-Versionen des Lehrmaterials investieren?” führt  zu einem kombinierten Blick auf: Zielpersonen im Fokus: übergreifend; Auswerter: für Anbieter; Zielrichtung: Informationen zur Nutzung einzelner Funktionen / Bereiche bekommen (> Optimierung)

Bereiche: Tradition – Potenzial – Grau

Tradition: Daraus ergeben sich Bereiche, die es immer schon gab – und oft aus offenkundiger Notwendigkeit, wie Feststellen des Lernerfolgs, um erfolgreiche Teilnahme zu bescheinigen – oder rechtzeitig den Lerner und/oder den Lehrenden auf mögliche Schwierigkeiten aufmerksam zu machen.

Potenzial: Dann ergeben sich neue Potenziale – wie bei der Auswertung des Nutzungsverhaltens durch Auszählen der Klicks und Informationen, von welchen Seiten zu welchen anderen User gehen – im anonymisierten Verfahren bei angemessener Erhebungsmenge sollte das kein Datenschutzproblem sein. Aber auch bezogen auf einzelne Lerner: Z. B. Erreichen die anderen Kursteilnehmer und die Lehrenden ihn über die Lernplattform oder betritt er die Plattform gar nicht?

Grau: Das ist vielleicht schon der Übergang zur Grauzone, wie hier und dort beschrieben: Was macht man mit Informationen über Zeiten, Zeiträume oder Orte des Lernens – in Kombination z. B. mit Blick auf Lernerfolg im Vergleich innerhalb der Gruppe? Kann man wirklich beurteilen, was die Daten bedeuten? Sind sie so vollständig/aussagekräftig, wie man meinen könnte?  (Warum sollte jemand nachts schlechter lernen als tagsüber? Was bedeuten geringe online-Zeiten – wenn jemand  alle Forenbeiträge / Texte ausgedruckt im Zug liest? etc.)

Was kann helfen, mit der Grauzone umzugehen?  Ich sammel hier v. a. schon genannte Aspekte: Verantwortungsvolle, weitsichtige Analyse; Respekt vor Datenschutz; unbedingte Transparenz den Teilnehmern gegenüber.

Fazit

Vielleicht hilft eine z. B. auf diese Weise differenzierende Herangehensweise, genauer zu bestimmen, was unter welchen Bedingungen für wen hilfreich, notwendig oder legitim ist.

Manche Einschätzung mag nur zutreffen für den Bereich Zielpersonen im Fokus: “eine Lern-Kohorte”, anderes nur für Auswerter “Lerner” – wieder anderes nur für die Kombination aus A2 und B3 und C2 etc.

Willkommen, wer hier die LA-Kategorien mitdenken, ausbauen oder umbauen mag.

“Mit diesem Thema verlassen wir die Komfortzone”, sagt Jochen Robes einleitend in der Live-Session. Prima! Das fühlt sich gleich viel OpCo-iger an…

Es grüßt
Jasmin Hamadeh