Didaktik? Von MOOC-Design und MOOC-Moderation

In Didaktik-Workshops ist mir immer sehr wichtig zwischen Design/Konzeption und Moderation (von Webinaren, online-Seminaren etc.) zu unterscheiden.

Das hilft mir auch hier – auch vor dem Hintergrund der Diskussion mit Jutta Pauschenwein, Ellen Trude, Martin Lindner, Joachim Happel, Heinz Wittenbrink – auch Boris Jäger – und bestimmt noch vielen mehr… auf G+ und in den Blogartikeln & Kommentaren, die zu suchen (,um sie zu verlinken, was sicher gut wäre,) ich leider keinen Nerv habe.

Wie Joachim Wedekind im Didaktik-Hangout sagt (stark verkürzt):
Eigentlich könnte man meinen: Keine festen Ziele – also keine Diskussion um Methoden und Lernerfolgskontrollen – also keine Didaktik. Aber so ist es nicht und bestehendes didaktisches Gedankengut ist natürlich auch für MOOCs hilfreich.

mögliches Elemente eines MOOC Designs

Der Blick auf das Design/die Konzeption führt zum immer wieder benannten Aspekt: Ein MOOC steht unter dem Licht der “Ermöglichung”. Für die Didaktik heißt das in meinen Augen: Konzeptionell eine “Ermöglichung” vorsehen.

Das kann konkret bedeuten:

Input anbieten – eine Auswahl aus:

  • Links
  • Texte…
  • Impulsbeiträge (habe ich hier im MMC13 zum ersten Mal gesehen – sehr schöne Idee)

Kommunikationskanäle anbieten – eine Auswahl aus:

  • Blograum
  • automatische Blogaggreation
  • Twitterkanal
  • Google+ Community
  • Hangouts/Live Sessions
  • WIKIs
  • Foren

ggf. weitere Kommunikationskanäle zulassen oder dazu anregen: selbstorganisierte Live Sessions, Foren, WIKIs…

Das Zusammenspiel der gewählten Elemente sorgfältig abstimmen und kommunizieren, Aspekte der Usability berücksichtigen.

Das könnte es “schon” sein an Didaktik. Ist ja selbstorganisiertes Lernen.

Aber Peter Ador sagt im Hangout z. B. “Es ist doch didaktisches Geschick nötig, um all das zu dokumentieren, was hier zusammen kommt.” (so in etwa). Ah – das ist auch schon eine Brücke zur Moderation: MOOCs können über das reine Ermöglichen hinaus gehen – und/oder das Ermöglichen kann für einzelene Teilnehmedne effektiviert werden:

mögliche MOOC-Moderationsaufgaben

Was ist also drin im Bereich Moderation?

Vorweg: Ich finde es nicht wichtig, zu entscheiden, ob/welche Art Moderation für einen MOOC nötig ist, zur “MOOC-Definition” gehört.

Ich suche nach dem Potenzial, aus dem man dann je nach Fragestellung und Zielsetzungen (von Veranstalterseite) Elemente nutzbar machen kann. Ich sortier mal – meiner Vorstellung von didaktischer Betrachtungsweise entsprechend – nach möglichen Zielbereichen (die ich jetzt mal aus der Hüfte schieße):

Dokumentation/Ergebnissicherung

  • inhaltliche Zusammenfassungen schreiben, schreiben lassen (Reflektoren-Rolle), anregen
  • Linklisten erstellen (oder Aufttrag vergeben/anbieten), ggf. thematisch sortiert
  • Sitemaps/Pearltrees erstellen, erstellen lassen, anregen
  • Ergebnis-WIKIs zu Einzelthemen erstellen, erstellen lassen, anregen
  • alles, was in der o. g. Struktur nicht autotisiert passiert (z. B. ggf. von Hand Blogartikel aggregieren)

Aktivierung

  • Feedback zu Beiträgen der Teilnehmenden (prinzipiell wohl auf allen Kanälen möglich) (“einladend, nicht ausgrenzend sein”, sagt Dörte Giebel im Didaktik-Hangout z.B.)
  • Mailings/Newsletter mit Hinweisen auf besondere Beiträge, Ergebnisse, Events etc.
  • auch hier: Zusammenfassungen (als “Einsprungschneisen”, wie Dörte Giebel es genannt hat)
  • Events: online-Live-Sessions, Präsenztreffen…

Qualitätssicherung (heikler Bereich natürlich, wer kann alles lesen und kann/darf auf welche Weise Qualität feststellen?)

  • auch hier: Zusammenfassungen
  • auch hier: Reflektoren-Beiträge
  • Feedback zu Beiträgen der Teilnehmenden
  • Bemühen um Ausgewogenheit durch aktives Einholen / Einbingen von Gegenmeinungen, Aspekten aus noch nicht (ausreichend?) bedachten Bereichen

… (wem fällt da noch mehr ein?)

Natürlich hängt das eng mit dem Design/Konzept zusammen und überschneidet sich in einigen Punkten. Fokus der Moderation in meinem Sinne ist jedoch: Das, was im MOOC-Verlauf getan wird (im Gegensatz zu strukturgebend wie das Konzept/Design) – was die Veranstalter für die Verlaufzeit kalkulieren müssen. Als eigene Aufgabe oder als Aufgaben, die rechtzeitig delegiert werden – oder die – als “nice to have” – den Teilnehmenden als Aufgabe angeboten werden.

Moderiert und offen?

Jenseits der Definitionsfrage: Ich glaube, das geht nicht. Eine Moderation wie oben beschrieben, wird konzeptionell mitgedacht.

Wenn ein MOOC wirklich offen ist – also im Prinzip beliebig viele aktiv Teilnehmende haben kann – ist keine der oben genannten Moderationsaufgaben mehr ausführbar, wenn man damit ernsthaft übergeordnete Ziele anstrebt.

Es sei denn, man provoziert oder organisiert das Bilden von Untergruppen und arbeitet dann mit Teil-MOOCs… Untergruppen-MOOCs  – klingt in meinen Ohren aber irgendwie absurd…

Aber was heißt schon “wirklich offen” – Wahrscheinlich hat keiner von uns einen cMOOC mit 2600 Teilnehmenden oder so vor, oder? Dann ist das wohl eine eher theoretische Frage.

Das als Beitrag zu konkreter Planungs- und Kalkulations-Arbeit, die MOOCs mit sich bringen.

Euch grüßt: Jasmin

4 Gedanken zu “Didaktik? Von MOOC-Design und MOOC-Moderation

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag Jasmin!

    hier mein Scoop.it insight:
    Sehr interessante Bezugnahme zum Thema “Moderation”, das in meine Augen entscheidend ist, um MOOCs auch in Bereichen einzusetzen, in denen die TeilnehmerInnen nicht nur als unheimlich “selbstmotivierten” TeilgeberInnen bestehen, also etwa den superaktiven ca. 80 Lernncoaches, E-Learning Multiplikatorinnen und PraktikerInnen, ForscherInnen die den #opco11 aktiv “geschmissen” haben und sich “selbstlaufend” und “selbstorganisiert” zu einem “selbstreflexiven Thema” (bei dem mehr oder minder der MOOC selbst das Thema ist, also “Zukunft des Lernens” (#opco11), “Trends im E-Learning” (#opco12), oder auch der #mmc12 (“Open Online Course über (Massive) Open Online Courses”), … sondern


    sondern ein MOOC zu eime “realword” Thema (etwa ein Sprachmooc für Language-Lehrer und Lernende oder ein Globaler MOOC für Aktivisten aus der Umweltbewegung zum Thema “Umweltbildung”…)

    mit TeilnehmerInnen, die nicht schon von vornherein über eine große Medienkompetenz und Online-Erfahrungen verfügen, so dass eben ganz EXPLIZIT und VERSTÄRKT “didaktische” Methoden im Aufbau und in der Kommunikation eingesetzt werden müssen …

    .. die bisher natürlich im Kern auch schon vorhanden sind:
    - ich denke etwa an die phantastischen Wochenzusammenfassungen von Jochen Robes im opco11

    - die im #mmc13 verstärkt differenzierten Rollen (“GastgeberInnen”, “ImpulsgeberInnen” und besonders schon die “ReflextorInnen” :-)

    - mein besonderes Augenmerk gilt dabei den Kuratieren via Pearltrees von Andrea, die ganz explizit ein neues Tool sucht, einsetzt und ausprobiert zum reflektieren:
    http://www.pearltrees.com/#/N-f=1_7157543&N-fa=5040146&N-p=67948362&N-play=0&N-s=1_7157543&N-u=1_631560

    - der sehr schöne Versuch einer “thematischen” SORTIERUNG der ganzen verteilten Beiträge
    http://howtomooc.org/mmc13-blog-aggregator/mmc13-teilnehmer-beitraege-thematisch/
    … und generell natürlich die engagierten Postings, Einwürfe, Hinweise etc. der GastbeberInnen incl. Dörtes wunderbar klarer, nachfrangender und “vermittlender” Anmoderation und Moderation der Hangouts …
    ****
    Ich stelle im Verlauf meiner – mehr oder minder passiven Teilnahme an den verschiedenen MOOCs fest, dass das Thema E-Moderation doch immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerät, wie es auch dieser Beitrag von Jasmin zeigt.

    Und zwar die Entwicklung einer MOOC-spezifischen E-Moderation, die vielleicht Teile der aus den bekannten Moderationstechniken (etwa das “Zusammenfassen” und “Verweben” (“Weaving”) wie wir es frei nach Gilly Salmon immer wieder in unseren E-Moderations Online-Kursen einsetzen
    http://www.scoop.it/t/lern-und-moderations-methoden-fur-e-learning-e-moderation/p/2000916802/adwh-e-moderating-wissensmanagement-2-0-aktivierender-methoden-im-online-lernen-und-arbeiten-online-kurs-26-9-31-10-12

    .. verwenden, aber eben auf der Suche sind nach neuen Tools und Methoden einer “MOOC-Moderation” (vielleicht “MOO-Deration” :-)

    … diese ist dann ein Baustein einer fluiden und “on the fly” sich entwickelnden “Mooc-Didaktik”, die ich sehr spanend finde :-)

    • Danke Heiko!
      Das hatte ich sehr gehofft, das jemand entlang dieser Linie mitdenkt und sehr hilfreich, dass du dir Mühe gemach hast, das mit anderen Beiträgen zu vernetzen!

      Genau : So könnte man “modularisieren” und je nach Bedarf Elemente gezielt auswählen – und dann eben auch kalkulieren.

      Und dann setzen wir noch eine Fortbildung zum MOODerator/zur MOODeratorin auf ;-) – sehr schöner Begriff.

      Beste Grüße, Jasmin

  2. Liebe Jasmin,

    ich finde, wenn ein MOOC schon auf der Vernetzung seiner Teilnehmer basiert, dann gehört es für mich zur Aufgabe der Moderatoren, Gastgeber oder wie auch immer man sie nennen mag, auch die Teilnehmer (die sich vielleicht nicht bemerken) AKTIV miteinander zu vernetzen.

    Teilnehmer mit…
    - gemeinsamen thematischen aber auch privaten Interessensgebieten (dabei fällt es einem leichter in Dialog zu treten und gemeinsam zu lernen),
    - gleichem Lernniveau (dabei traut man sich eher sich gegenseitig auszutauschen)
    - unterschedlichem Lernniveau (dabei können versiertere Lerner als eine Art Mentor fungieren, wenn sie dies möchten)
    - etc.

    Da würde ich nich deiner Liste hinzufügen wollen.

    SymBadische Grüsse
    Boris

  3. Pingback: Wir sind doch kein xMOOC | Rückblick auf eine turbulente Didaktik-Woche - #MMC13 - der Open MOOC-Maker Course 2013

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