Give me an “o”? No!

Meine Kurzzusammenfassung aus dem unrepräsentativen Teil der Artikel, die ich gelesen habe und der Hangout-Aufzeichnung:

“Open” in MOOCs betrifft:

  • zum einen die Offenheit der Materialien / Inhalte,
  • dann geht es um Offenheit im Sinne von Zulassung (z.B. scheibt dazu Claudia Bremer), und ich würde das ausbauen zu “Zugangsvoraussetzungen” (formaler und informeller Art)
  • und um eine Offenheit als psychologisch-gesellschaftliches Phänomen (transparent sein, “Fehlerkultur”)

Wer will nicht offen sein? offen -  aufgeschlossen – austauschbereit – teilen wollen. Aus dem Hangout hallt bei mir nach (sinngemäß):

Was mit öffentlichen Geldern erarbeitet wird, muss der Öffentlichkeit zugute kommen.

Was man teilt, speist sich in ein System, in dem es besser gemacht wird.

Menschen sollen sich trauen, auch öffentlich Fehler zu machen, wir müssen lernen, mit eigenen Fehlern und denen anderer weniger wertend umzugehen.

Irgendwie – ja.
Aber vor allem: NO!

Was ist mein Problem? Der von mir gefühlte Tenor der Diskussion, wahrscheinlich. Denn:

Ich muss auch Geld verdienen:

Wie geht man den mit Input um, das nicht bereits an anderer Stelle von öffentlichen Geldern bezahlt wurde? Was ich hier (und generell in einem MOOC) schreibe, kann ich nicht mehr verkaufen. Macht in diesem Fall auch nichts. Aber an einem MOOC zur Didaktik von e-Learning-Formaten, zur Konzeption und Moderation von Webinaren o.ä. – nehme ich nicht – oder nur sehr gebremst – teil. Und wäre ich Expertin für Niedrigenergie-Häuser, würde ich in einem Niedrig-Energie-MOOC am ehesten in einem Hangout auftreten wollen und betonen, wie wichtig die individuelle Beratung ist… Es muss ja nicht jeder (c)MOOC einer über MOOCs oder die Zukunft des Lernens sein. Oder?

Martins Ebners (et al) Überlegungen zur “Der-Wert-und-die-Finanzierung-von-freien-Bildungsressourcen” gibt Ideen für OER-Materialien  – und sieht hier auch eine große Herausforderung. Und MOOC-Teilnahme – egal in welche Art “einspeisender Rolle” ist da auch nicht unkritisch – und noch schwieriger zu finanzieren.

Schließt “kommerziell” “offen” aus? Was heißt denn “kommerziell”? Dass sich der Chef eines Weiterbildungsunternehmens seine dritte Yacht damit finanziert? Wir kommen ja noch zu den Geschäftsmodellen… Aber ich würde schon einmal eine Bresche schlagen wollen für: Wer eine Dienstleistung anbietet, darf dafür auch bezahlt werden wollen. Nicht jeder, der nicht ungeteilt JA! zu CC-Lizenzen sagt, disqualifiziert sich für einen MOOC – oder?

Ich will nicht, dass jeder mitmacht.

Martin Ebner sag ganz pragmatisch, wenn er “massive” sein will, dann muss er “open” sein, der MOOC.

Das klingt überzeugend. Und doch: Es wird ja bereits an mehreren Stellen diskutiert, dass für eine Teilnahme an einem MOOC natürlich eine gewisse Medienkompetenz nötig ist, dass man eine bestimmte Art kommuniktiver Mensch sein muss, Transparenz in manchen Punkten nicht scheuen darf – und es wurde auch gefragt, ob das in einem Open Course denn hingenommen werden kann.

In meiner Einschätzung kann man dazu nur JA sagen: Ein MOOC ist nur für solche, die in irgend einer Weise MOOCen wollen und können. Und auch ein thematischer Fokus ist natürlich in gewisser Weise ausgrenzend. Aber es soll ja auch funktionieren. Man muss ja auch eine Basis haben, auf der sich die Beteiligten bewegen. Ihr wollt eine MOOC, der wirklich für jeden offen ist? Egal wie aufgeschlossen? Egal wie medienkompetent? Wie vorgebildet? Egal wie was auch immer? Der MOOC findet offline statt – und ist das Leben.

Randnotiz: Spannend fand ich zu beobachten: “Nur “zuschauen” oder mitlesen wird in dieser Woche (im Hangout v.a.) weniger akzeptiert. Ist auch schwerer: Als eine Notwendigkeit des Offenen wird angeführt, dass auch ins System zurück-gespeist wird.

Ich will nicht die Gesellschaft MOOC-fähig machen.

Wahrscheinlich bin ich keine Rebellin des Lehrens. Ich möchte nicht die Gesellschaft verändern, damit ich einen MOOC machen kann. Ich lebe in einer Gesellschaft und möchte ausloten, ob/unter welchen Umständen man für und mit Menschen aus dieser Gesellschaft einen MOOC machen kann. Das heißt nicht, dass man aus meiner Sicht keine MOOC-Einführungen oder technischen Hilfestellugen geben sollte.

Ton Zijlstra sagte im Hangout: “Menschliche Eigenschaften sind die Grenzen des Offenen”. Es ging u. a. darum, wie viel man reingeben mag, ohne etwas davon zu haben und wie man mit der entstehenden Transparenz umgeht.

Das finde ich schön auf den Punkt gebracht. Die einen kommen da vielleicht zu dem Schluss, dass man dann an den menschlichen Eigenschaften arbeiten muss – für die mittelfristige Planung würde ich mich darauf konzentrieren, wie diese Eigenschaften aussehen und wie man mit den damit verbundenen Grenzen konstruktiv für einen MOOC umgehen kann.

Soweit – ganz offen,
Jasmin

 

25 Gedanken zu “Give me an “o”? No!

  1. Vielen Dank für den Bericht Jasmin Hamadeh. Er spricht mir aus der Seele.
    Meine Gedanken ‘rannten’ weiter:
    Gilt dieser vorsichtige Umgang mit der Meinungsäußerung nur für Deutsch-Geprägte – - ein für das Überleben notwendiges Relikt, stammend aus der NS-Zeit?(1)
    Wo bleibt das O p e n Social Warming?(2)
    (1) Zum Post ‘Psychiatrisierung unsoldatischen Lebens:: http://psychopathologisch.blogspot.de/2012/08/psychiatrisierung-unsoldatischen.html
    (2) Zu: Open and Social Warming:
    https://plus.google.com/111634746643816111742/posts/fWt5CTfXE8b

  2. Liebe Jasmin,

    meine ganz pragmatische Frage zu deinem Beitrag :-)

    Sind die Bilder die du verwendest als “Open Ressource” verwendbar (also hast du die Rechte). Wenn nicht fällt es schon unter das Urheberrechtsgesetz und du kannst dafür belangt werden, da ja der/die Erstellerin auch an Kommerz interessesiert ist :-) .

    Vielleicht macht das die Debattte dann viel offensichtlicher – es geht daraum mit digitalen Medien in Zukunft “arbeiten” zu können.

    Liebe Grüße
    Martin

    • Lieber Martin,
      find ich gut, die Fragestellung konkret greifbar zu machen. Und vielleicht kommen wir im Nebeneffekt für mich auch zu einer Lösung der Bilder-Frage in diesem Fall…
      Ich verwende z Zt gern ClipArt Bilder, die z.B. über PPT zur Verfügung gestellt werden – auch manchmal welche aus der zugehörigen ClipArt- Online-Suche. ClipArt solte per Definition gemeinfrei sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Open_Clip_Art_Library
      Die Microsoft-Lizenzbedingungen bestätigen (in meiner Interpretation), dass die Grafiken frei verwendbar sind – auch im kommerziellen Zusammenhang. Ich arbeite aber auch mit fotolia-Bildern – und ups – finde dort z. B. die gleichen Bilder – nur eben kostenpfichtig und mit Verweispflicht… Vielleicht kann das jemand erhellen?
      Grüße! Jasmin

        • Danke Lore,
          ich hatte schon einige Seiten von Mirosoft dazu gefunden ,aber noch keine deutsche.
          Die Sätze

          “Sie sagen Microsoft Schadloshaltung zu und schützen Microsoft gegen alle Ansprüche oder Rechtsstreitigkeiten, inklusive Anwaltsgebühren, zu denen es aufgrund der Verwendung oder des Vertriebs von Medienelementen kommt, die von Ihnen geändert wurden.” und

          “Sie müssen in Ihre Produkte und Dienste, zu denen Kopien der Medienelemente gehören, einen gültigen Urheberrechtshinweis einzuschließen.”

          müssen einen wohl stuzig machen… Ich wüsste nicht, wie ich einen gültigen Urheberrechtshinweis gebe könnte. Ich habe ja gar keine Urheber-Informationen…
          OK – da das wohl noch eine offene Baustelle.

          Wer da einen Schritt weiter ist, bitte melden.

  3. Jasmin,

    ich bin mit Deiner Ausführung zu dem Thema dacor. in ein oder zwei Beiträgen habe ich den finanziellen Aspekt angesprochen. Es hat sich mir aber der Eindruck aufgedrängt, dass dieser Aspekt entweder nicht verstanden Wurde oder aber er wird ignoriert. Das ich allein schon mit der zur Verfügungstellung der Infrastruktur mit Kosten belastet werde kommt zu der erbrachten Dienstleitung noch hinzu. Ich bin momentan dabei auf meinen Seiten ein Modell zu beschreiben, wie ich es umsetzen werden so dass auch meine Dienstleitung bezahlt wird. Alle anderen Anbietungsformen von MOOC’s die das Attribut kostenlos dauerhaft voranstellen, sind meiner Meinung nach Eintagsfliegen um Erfahrungen zu sammeln.

    Gruß Werner

    • Hallo Werner,
      aber noch steht da nicht auf deiner Seite, oder? Habe nichts gefunden. In der kommenden Themenwoche wird damit sicher deine Stunde schlagen ;-)
      Es freut sich drauf: Jasmin

  4. Der Artikel beschreibt schon recht gut das Dilemma aller Menschen die in einem kommerziellen Umfeld mit Lernen und (Weiter)Bildung zu tun haben. Ich denke hier kann die Community von der Open Source Bewegung lernen.

    “Open Source is not Free Beer”

    Das die gefühlte Mehrheit der Community rund um den #MMC13 “open” mit “kostenlos und nicht ausgrenzend” gleichsetzt kann auch an der Selektion der Teilnehmer liegen. Laut erster Benutzerbefragung kommen genau genommen nur 9% auf dem kommerziellen Umfeld.

    • Hallo Dirk Burkamp,

      dazu fällt mir ein: “There’s no such thing as a free lunch” – Nachhaltiges aus dem Politik-Studium… (Milton Friedman / Robert Heinlein). Ich finde, man kann schon aus der Basis-Recherche dazu einigen Nutzen für diese Diskussion ziehen: https://en.wikipedia.org/wiki/There_ain%27t_no_such_thing_as_a_free_lunch
      Der (eigentlich banale) Kerngedanke für mich: Alles (auch scheinbar Altruistisches) hat für alle Beteiligten Nutzen, offensichtliche Kosten und Opportunitätskosten. Und all das darf und muss mitbedacht werden.

      “nur 9% aus dem kommerziellen Umfeld” – da musste ich auch gleich nochmal nachschauen:
      http://howtomooc.org/ergebnisse-der-ersten-mooc-teilnehmerumfrage-im-mmc13/
      Ich sehe deulich mehr und vermute sie in den folgenden Bereichen:
      - private Weiterbildung/Erwachsenenbildung,
      - innerbetriebliche Weiterbildung
      - Medienunternehmen und
      - andere
      Das könnten der Statistik nach schon bis zu 46% sein…
      Das machte mich in der Diskussion so stutzig – aber vielleicht bin ich einfach noch nicht auf die für meine Fragen hier passenden Artikel gestoßen.
      Es grüßt, Jasmin

      • Hi Jasmin,
        Ich habe die anderen Gruppen bewusst nicht mitgezählt. Insb. die Gruppe Erwachsenenbildung die leider nicht getrennt abgefragt wurde. Kommerzielles Umfeld heisst für mich “klare Gewinnerzielungsabsicht”. Das schliesst erst einmal alle Hochschulen, VHSen etc. aus.

        Ich hatte schon mit Mons darüber gesprochen, dass ein spezieller Fragensatz in diese Richtung interessiert sein könnte. Wir hatten uns als kleine AG “berufliche Weiterbildung” zusammen gefunden (siehe auch den HOA) die gerade mal auf sieben Teilnehmer kam.

        • … was der Anlass dafür ist, dass wir die nächste Umfrage kollektiv entwickeln lassen. Also heraus damit, was willst Du/wollt ihr noch alles (über euch) wissen?

        • Dank für die Rückmeldung, Dirk,

          die AG berufiche WB habe ich gestern Nacht in der Hangout-Aufzeichung vom 23.01. (oder so) gesehen. Ah da geht doch einiges an mir vorbei/kommt verzögert an… Vielleicht geht das auch anderen so.

          Ich hatte die Kategorie “private Weiterbildung/Erwachsenenbildung” als “mit Gewinnerzielugnserzielungsabsicht” angenommen – aber Volkmar schießt mir da ja auch schon quer (s. Kommentar unten), da z.B. seine Hochschule gemeinnützig ist… ;-)

          Da sollte dann wohl schon meine Frage “Schließt “kommerziell” “offen” aus?” anders lauten… Wenn auch weniger knackig… Kriegen wir dann in der nächsten Themenwoche sicher zusammen besser hin.

          Danke für die Erläuterungen, Jasmin

  5. Liebe Jasmin,

    vielen Dank für Deinen schönen Artikel, auf den ich mich sehr gerne bei der Vorstellung einiger Ideen zu Geschäftsmodellen nächste Woche beziehen werde. In der Tat wurde auch nach meiner Wahrnehmung die Diskussion etwas einseitig geführt, was letztlich zu dem Dilemma führt: Wer deckt eigentlich wie die Kosten? Die Aufwandsseite können wir relativ genau abschätzen. Dörte hatte ja auch schon den Aufwand der #mmc13 Gastgeber allein vom Personalaufwand dargestellt. Dazu kommt noch die Bereitstellung von Infrastruktur usw.

    Übrigens Kostendeckung heißt noch nicht kommerziell! Es gibt da einen feinen Unterschied, der häufig den Beteiligten nicht ganz klar ist. Beispiel: ca. 73% der privaten Hochschulen in Deutschland (Studie des WR, 2012) sind nicht kommerziell sondern gemeinnützig (meine HSW im Übrigen auch :-))… aber das nur Mal ganz nebenbei.

    Auch das o.g. Beispiel mit Open Source finde ich gut, denn es zeigt, dass es noch etwas zwischen schwarz und weiß gibt ;-) – danke dafür! Und damit meine ich auch die Forderung “alle Bildung müsste generell kostenlos sein”! …

    Achtung ich provoziere! “Was sie wollen Pilot werden?” Ja, natürlich, das kostet eine Menge Geld. “Ach so, sie studieren Medizin und werden anschließend im Ausland viel Geld verdienen… :-)) – Ja, klar das können sie natürlich kostenlos…” Wo soll die Grenze gezogen werden? Wollen wir Schwarz/Weiß oder Vielfältigkeit?

    Ich freue mich auf eine weitere Diskussion :-).

    Herzliche Grüße

    Volkmar

  6. Liebe Jasmin,

    ich schließe mich meinen VorrednerInnen an, du beschreibst das Dilemma derer, die etwas im Bildungsbereich verkaufen wollen, sehr gut. An manchen Stellen kann ich deine Argumentation aber weniger nachvollziehen,

    Du schreibst: “Was ich hier (und generell in einem MOOC) schreibe, kann ich nicht mehr verkaufen.”

    Damit ist nach meiner Ansicht aber nicht gesagt, dass du das geschriebene nicht trotzdem kommerziell nutzt. Du dekorierst ja im Grunde genommen dein Schaufenster und jeder der vorbeikommt kann sehen: ” So, aha, die Frau Hamadeh versteht auch was von MOOCs und OER.” Ganz schön kommerziell gedacht, oder?

    Ähnlich geht es mir mit dem Argument der gebremsten Teilnahme an einem Didaktik-MOOC. Nehmen wir an, du stellst eine Checkliste zur Zielgruppenanalyse zur Verfügung. Dann hast du exakt eine Checkliste zur Verfügung gestellt aber noch längst nicht die Leistungen des Unternehmens Jasmin Hamadeh. Was nützt denn die Checkliste ohne deinen ganz speziellen beruflichen Hintergrund, deine Erfahrung aus vergangenen Projekten und den anderen sehr speziellen Blickwinkeln, Überzeugungen und Fähigkeiten der Person Jasmin Hamadeh? Ich denke, was wir verkaufen, ist nicht allein unser Fachwissen sondern eben diese Mischung. Ich denke aber auch, ich sage dir mit meinem Kommentar nichts Neues. Du wolltest uns mit deinem Beitrag nur aus den Schneckenhäusern locken.

    Danke und Grüße
    Cornelie

    • Liebe Cornelie, auf jeden Fall toll zu sehen, wie intensiv und konstruktiv die Reaktionen sind ;-)

      Lore Reß äußert sich auf Google+ (https://plus.google.com/communities/102395295255858079882 – Kommentar zu meinem Beitrag vom 02.02. 11:53) einen “dichteren Link” zur Diskussion kann man, glaube ich, leider nicht generieren) ähnlich zu den Punkten des “kommerziellen Nutzens”. Ich habe ihr dort Folgendes gewantwortet:
      Liebe Lore,
      “Ich muss auch Geld verdienen!
      Und deshalb nichts veröffentlichen? Das sehe ich anders.”

      Ich auch. Deshalb nichts veröffentlichen auf keinen Fall. Gut, dass du nachhakst, wenn es so verstanden werden kann.

      Jeder Auftritt im Netz kann dem Profil auch dienlich sein, keine Frage. Da zeigt sich aber auch gleich die Grenze eines Postulats nach Transparenz im Lernprozess, Fehlerkultur etc., es wird oftmmals legitimerweise auch ein (evtl. im weiteren Sinne) kommerzielles Interesse die Art der Beiträge steuern.

      Was ich hier aber v. a. vor Augen habe, einmal an einem konkreten Beispiel: Ich könnte z. B. aus meiner Erfahrung einen Leitfaden für Foren-Moderation in online-Seminare in der Weiterbildung veröffentlichen. (Hab ich noch nicht geschrieben, nein…) Ich würde vielleicht eine CC Lizenz vergeben: Mit Nennung meines Namens darf es weiter verwendet werden, verändert und auch in kommerziellen Kontexten (oder ausschließlich in der Lizenz, die für den Beitrag vergebe).

      Da sehe ich z.B. Spannungsfelder, wenn
      - ein Unternehmen mich in früheren Zeiten dafür bezahlt hätte, so einen Leitfaden zu erstellen.
      - ich damit die Chance vertue, das Produkt noch einmal so oder ähnlich gegen Geld anzubieten.
      - jemand den Leitfaden verändert, auf eine Weise, mit der ich nicht in Verbindung gebracht werden möchte – aber trotzdem auf mich verwiesen ist.

      Ist nicht so ganz trivial und ganz sicher muss da keine pauschale, einmalige und eindeutige Entscheidung getroffen werden: veröffentliche ich im Netz oder nicht. Doch ich bin der Meinng, wir sollten das mitdenken, bevor wir uns von einer “Jeder soll alles auch teilen und zur Verwendung weitergeben wollen”-Welle tragen lassen, weil sie sich menschlich so gut anfühlt.”

      Grüße! Jasmin

    • und dann fiel mir noch ein: Ja, ich weiß, dass sie mit meiner Checkliste allein natürlich nicht mehr haben als eine Checkliste… und dass sie von mir so viel mehr und Notwendigs dazu bekommen können.

      Aber “sie” wissen das nicht immer…. Ab und zu höre ich im Erstgespräch: “Da haben wir jetzt auch gar keine praxisnahen Hilfestellungen oder Beschreibungen Literatur zu gefunden, an der sich unsere Dozenten orientieren könnten.”

      Vielleicht wäre aber so eine Checkliste in den Augen einiger Anbieter tatsächlich schon hilfreich, weil sie gute/vorerfahrene Leute haben, die damit tatsächlich schon einiges weiter kommen. Da könnte ich mich ggf. damit “trösten”, dass sie später mal bei kompleyxeren Fragen an mich denken werden… das ist aber jenseits eiens kalkulierbaren Gegenwerts.

      Oder – und das ist wirklich kontraproduktiv, aber nicht unwahrscheinlich: Sie versuchen es auf der Grundlage, die sie kostenfrei bekommen, es klappt nicht – und dann liegt es – aus ihrer Sicht – womöglich daran, dass die Checkliste eben nichts taugt…

      Jasmin

      • Ja, auch diese Einwände kann ich nicht vom Tisch wischen. Will ich auch nicht! Ich fände es viel interessanter, wenn diese Diskussion überhaupt einmal geführt würde.

        Nach meiner Wahrnehmung ist da aber viel Schweigen in der deutschen E-Learning-Szene und auch bei den Trainern. Ein regelrechtes einbunkern. Das andere Extrem, die die ihr Heil als “die-Lerner-können-ohnehin-allein-besser-lernen-Prediger” suchen.

        Es findet nach meiner Ansicht, parallel zur “alles-open-Diskussion”, eine unglaubliche Verklärung der vorhandenen Selbstlernfähigkeiten statt. Das wiederum erhöht für viele den Druck zur Öffnung.

        Wohin dieser Druck führen kann, sieht man ganz gut bei dem aktuellen Absturz des Coursera MOOCs “Grundlagen der Online-Bildung”. http://www.insidehighered.com/news/2013/02/04/coursera-forced-call-mooc-amid-complaints-about-course

        Es ist im Moment eine Gratwanderung und viele Diskussionen finden auf sehr wackelgem Grund statt.

        Beim Urheberecht finde ich das sehr extrem, weil maximal undurchsichtig und immer, wenn ich mich gerade ganz sicher fühle, finde ich mit Sicherheit wieder eine juristische Bewertung, die alles über den Haufen wirft. Über OER zu diskutieren, wenn man das Urheberrecht nicht in Grundzügen verstanden hat, ist deshalb auch ein riskantes Thema für einen MOOC. Es kann schnell eine fatale Sicherheit bei den Teilnehmenden entstehen, weil man sich ja mit OER beschäftigt hat und die Kommentare der Peers positiv waren. Eine Halbbildung kann in diesem Fall gefährlicher sein als völlige Ahnungslosigkeit. Ich denke dabei an CC-Lizensierung von teilweise remixtem Material. Wäre auch ein interessantes Thema: Braucht man für MOOCs einen Beipackzettel?

        Grüße
        Cornelie

    • Hallo Christian,
      ja, da hast du die Herausforderung, der ich mich hier etwas polarisierend genähert habe, ganz vermittelnd beschrieben. Hier denke ich – vielleicht im voreilig “vorauseilenden Gehorsam”? – auch mögliche Positionen von Unternehmen, die sich mit MOOC-Gedanken tragen könnten, laut.
      Jasmin grüßt

  7. Liebe Jasmin,

    das war mal ein ehrliches Wort in die Runde von uns Gutmenschen. There ain’t no such thing as a free lunch, aber manche bekommen ihr Futter von einer großen Institution bezahlt, während FreiberuflerInnen eindeutig am knappen Ende der Schnur sitzen. Wettbewerbsnachteil – sofern man mit einem institutionellen, “kostenlosen” Anbieter konkurrieren muss.
    OER-Materialien sind alle irgendwie bezahlt – aber nicht von den Endnutzern. Insofern sehe ich eine Perspektive für das von dir angesprochene Problem darin, dass der jeweilige Kursveranstalter oder Fortbildungsträger bei MOOCs die Kosten übernimmt – schließlich kommt er mit freiberuflerischen Honorarkräften samt ihren Sachkosten finanziell (und meist auch qualitativ) besser weg, als wenn er seine Fortbilder fest einstellt und Gehälter zahlt.

    Das Problem hat noch eine weitere, fatale Komponente: Viele geldwerte Beratertätigkeiten und Lehrwerke von einst bekommt man heuer kostenlos und z.T. besser im Internet. Schon vor langer Zeit merkte ich, dass ich meinen Steuerberater nicht brauchte. Sein größter Vorteil war gewesen, dass er sich mal zu meinem Gunsten um mehrere tausend Euro verrechnet und das Finanzamt seinem guten Ruf anstelle eigener Kontrolle vertraut hatte. Nachdem er aber seinen Coup nicht jährlich wiederholte, kam ich dank Steuersoftware ohne ihn zurecht und sparte dabei noch Geld.
    Ein selbstständiger Berater und Lehrer muss heute extrem alert sein und darauf achten, ob nicht irgeneine neue App oder anderes konnektivistisches Teufelswerk gerade die eigene Lebensgrundlage weghaut. Google ist nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil es en passant schon Abertausende, wenn nicht Millionen von Beraterjobs beseitigte.

    Selbst im kirchlichen Bereich, in dem ich arbeite, ändert sich das Verhalten der Kundschaft. Sie kommt seltener zu meiner Servicetankstelle und besorgt sich stattdessen fragwürdigen Stoff aus dem Netz. Daraus lerne ich, dass ich mich in meinem Beratungsangebot umstellen muss – denn der Bedarf verschwindet nicht. Er verlagert sich nur.

    Apropos Bedarf: Was wirklich mal vonnöten wäre, ist ein E-Learning-Rechtshandbuch. Gerne auch als kostenpflichtige Datenbank; eine Abfrage ein Euro. Soviel ich weiß, sind die richtig guten Jura-Datenpools auch kostenpflichtig. Aber das E-Learning-Rechtshanbuch, das mir vorschwebt, enthält statt rechtswissenschaftlicher Satzungeheuer eine allgemeinverständliche Übersetzung, gut erläutert, didaktisch aufbereitet, damit auch bei uns Pädagogen der Groschen fällt.
    Ob ein (geldwerter) xMOOC sowas auf die Beine stellen könnte?

    Viele Grüße und nochmal vielen Dank für das offene Wort,
    Christian

    • Lieber Christian,
      stimmt natürlich auch: Wen nicht ich zum e-learning-Thema XY nichts einstelle, heißt das nicht, dass andere das auch nicht tun… Und wenn andere was zur Verfügung stellen (und womöglich auch noch etwas Gutes…) – habe ich wahrscheinlich weniger davon, nicht dies oder jenes zur Verfügung gestellt zu haben – als es eben doch zu zu tun.

      Keine leichte Gratwanderung hier abzuschätzen, womit man selbst besser fährt – und womit man – globaler betrachtet: gesellschaftlich besser fährt.

      Da kommt dann ja doch noch der Qualitäts- und Verantwortlichkeits-Aspekt hinzu… Wir haben hier z.B. auch schon über die Nutzungsrecht von Microsoft ClipArt gesprochen – und ich vermute fast, wir kommen da zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Interpretation – aber verbindliche – oder gar rechtsgültige – Antwort haben wir bisher nicht…

      Aber zu deinem Wunsch: Hier haben schon einmal viele netterweise etwas geteitl: http://www.e-teaching.org/specials/e-legal_rechtsfragen_im_e-learning

      Jasmin

      • @ http://bit.ly/PcGWg5 : Boah ey, was für ein Fass, nahezu ohne Boden… danke für den Link!
        Ein schönes Beispiel dafür, wie groß die Gefahr im Netz ist, das Auto zum zweiten Mal zu erfinden (und dafür auch noch Lohn und Lob zu erhoffen).

        - Christian

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