formales und informelles Lernen – auf dem Podium

Und nun geht es auch nach außen sichtbar weiter mit dem Thema:
Verzahnung von formalem und informellem Lernen

Am 26.11.2013 findet die Hamburg-Station der eLearning SUMMIT-TOUR statt – unter der Überschrift “Innovation & Excellence in Learning“.

eLearning SUMMIT TOUR 2013_bannerIn der Podiumsdiskussion nach dem Mittagessen darf ich die Erfahrungen und Einschätzungen zur “Verzahnung von formalem und informellem Lernen” von vier Diskutanten moderieren.

Ich freue mich auf deren Perspektiven als Bildungsanbieter, als e-Learning-Akteure, als Bildungsdienstleister für Unternehmen – und als lernende Menschen:

  • Rolf Haasper, Leiter der DAA-Lernsysteme, Deutsche Angestellten-
    Akademie GmbH
  • Prof. Dr. Volkmar Langer, Präsident Hochschule Weserbergland (der seine Vorüberlegungen beflügelnderweise in seinem Blog schon einmal vorstellt)
  • Carsten Albrecht, Referent E-Learning, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
  • Hansjörg Lüttke, Geschäftsführender Vorstand, KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V.

Im Vorfeld habe ich den Beteiligten ein paar Fragen gestellt – und auch unerwartete Antworten bekommen. Die möchte ich gern teilen:

Spannend 1)
Rezept für VerzahnungEs gibt ein Rezept, formales und informellem Lernen zu verbinden.

Rezept:
Ermöglichungsrahmen schaffen + Problemlösung im betrieblichen Alltag + moderierte Reflexion.

Das wird von mindestens zwei Diskutanten auch bereits umgesetzt – und klingt erstaunlicherweise gar nicht wie ein “Spagat” – sondern als scheinbar natürlicher Brückenschlag zwischen Lernenden, Bildungsanbieter und Unternehmen.

Spannend 2)
Optimal: Der Lernende redet mit.
In Konzeption und Ausgestaltung der Lernangebote.

Wenn es nach der Mehrheit der Diskutanten geht, ist das eine notwendige motivationale und inhaltliche Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse.

Spannend 3)
Anerkennung informell erworbener Kompetenzen birgt auch Gefahren.

informell lernen fürs Portfolio?Die Diskussion um Anerkennung informeller Lernprozesse birgt auch eine Gefahr: Sie verführt dazu, vorwiegend in Hinblick auf die Verwertbarkeit für Bildungsbiografie zu lernen – und persönlicher Aspekte des Lernens zu vernachlässigen.

Spannend 4)
Präsidenten, Leiter, Referenten …  lernen vorwiegend informell.

Aus alle Rückmeldungen wird deutlich: Die Diskutanten lernen selbst “vorwiegend”, “fast alles”, “sehr vieles” informell.

Und gehen davon aus, dass man auch und gerade im Bereich Lernberatung und e-Learning-Entwicklung/-Strategie Kompetenzen vorwiegend informell entwickelt.

Spannend 5)
Da ist viel Gutes im scheinbar Schlechten.

Verunsicherung gehört zum LernprozessEines der genannten “hohen Güter” im Lernprozess hat mich durch die ausrückliche und eindringlicher Beschreibung aufgerüttelt:

“Im Lernprozess Verwirrungen, Verunsicherung, persönliche Regression, Fehler und Umwege” “akzeptieren und wohlwollend begleiten”.

Spannend 6)
Wo informelles Lernen und e-Learning zusammenkommen

"flipped classroom"Z. B. in “Inverted Classroom-” oder auch “Flipped-Classroom-Modellen”, in offenen Onlinekursen (siehe Volkmar Langes Blogpost) und durch das Online Verfügbarmachen oder haben von Informationen und Lernmaterialien (im Internet und in Lernmanagement-Systemen)

Spannend 7) – x)
Ihre / Eure Fragen und Einschätzungen:

  1. Wo sind Sie / Seid ihr skeptisch, überrascht, anderer Ansicht?
  2. Wo vermutet ihr die Grenzen der Verzahnung, die hier beschrieben ist?
    Kann man Bildungsanbietern diese Grundhaltung so “abhnehmen” – oder ist es halt das, was sie tun, damit informelles Lernen ihnen nicht das Wasser abgräbt?
  3. Geht es hier wirklich um die Verzahnung mit informellem Lernen? Oder ist ist das eigentlich doch noch etwas anderes?
  4. Wie autonom und mitbestimmend kann der Lernende hier wirklich eingebunden sein? Und muss er denn?

Ich freu mich auf eure Impulse, nehme sie sehr gern mit aufs Podium – und werde hier berichten.

Gespannt grüßt
Jasmin Hamadeh

5 Gedanken zu “formales und informelles Lernen – auf dem Podium

  1. Liebe Jasmin Hamadeh,
    in einigen Punkten teile ich Ihre Überraschung, beziehungsweise denke ich, es ist möglicherweise doch etwas ganz anderes gemeint. Besonders der Punkt 6 lässt mich grübeln. Bei dem Modell des “Flipped Classroom” verlässt man nach meinem Verständnis nicht den Rahmen des formalen Lernens. Es handelt sich doch insgesamt gesehen um ein formales Setting (Hochschulausbildung), das auch durch einen Methodenwechsel nicht aufgehoben wird. Inwiefern dies als Verzahnung von informellem und formalem Lernen angesehen werden kann, leuchtet mir nicht ein.
    Punkt 3 sehe ich eher skeptisch. Es geht doch darum, auch Kompetenzen anzuerkennen, die außerhalb des formalen Bildungssystems erworben wurden. Nach meinem Verständnis würde damit die Durchlässigkeit erhöht und der Selektivität unseres Bildungssystems entgegen gewirkt. Es handelt sich dabei ja um Kompetenzen, die beispielsweise im Rahmen beruflicher Tätigkeit erworben wurden, obwohl die entsprechende formale Qualifikation nicht vorhanden ist. Woher sollte in diesem Fall eine Gefahr drohen? Die Kompetenzen wurden doch bereits erworben und werden nicht für ein Zertifikat “gelernt”. Ich würde eher sagen, die Bildungsbiografie ist da, es sieht sie nur keiner, weil sie nicht zertifiziert ist.
    Punkt 4 beantworte ich spontan mit einem energischen Nein. Ich möchte es an der E-Learning-Entwicklung festmachen, obwohl es ebenso für andere Bereiche gilt. Ich denke, um E-Learning-Entwicklung professionell zu betreiben, braucht man ein sehr umfassendes Wissen über lerntheoretische Ansätze, didaktische Methoden, motivationspsychologische Aspekte, Lernorganisation, technische Realisierungsmöglichkeiten und so weiter. Selbst wenn wir das alles wissen, haben wir noch immer keinen Baukasten oder ein Rezept, nach dem wir ein E-Learning-Konzept einfach “zusammenrühren” können. Wir haben damit aber den Rahmen, in dem wir planen und didaktisch begründete Entscheidungen treffen können. Sollte ich dies nun alles informell lernen, wäre der erste Stolperstein aus meiner Sicht die Priorisierung. Wie soll ich als Nichtexpertin (Anfängerin) denn entscheiden, welche Wissensgebiete für mich notwendig und relevant sind. Wie ordne ich die einzelnen Themen in einen größeren Kontext? Wie stelle ich Zusammenhänge her und woran messe ich meinen Lernerfolg? Verwirrungen, Fehler und Umwege können eventuell – wie unter Punkt 5 anklingt – auch nützlich für den Lernprozess sein. Wenn ich aber lerne, um im Endeffekt mein Geld mit dem Gelernten zu verdienen, bin ich nicht daran interessiert, mich durch endlose Entwicklungsschleifen zu bewegen. Bin ich dann auch noch berufstätig, steht mir der Sinn noch weniger nach Irrungen und Wirrungen. Dann möchte ich mein Ziel möglichst effizient erreichen und das ist nach meiner Ansicht, wenn ich vom Anfängerstatus ausgehe, eine formale Ausbildung. Die Weiterbildung darf dann gerne informell sein, weil ich eine Grundlage habe, auf der ich Entscheidungen treffen kann. Es wundert mich immer wieder, wenn gerade den Vertretern der Formel: “Jeder Mensch lernt anders”, ausgerechnet bei dem “wie” nur eine Lernform einfällt.

    Grüße
    Cornelie Picht

    • Ganz herzlichen Dank fürs Mitdenken, Cornelie!
      Und für einige schöne Stichpunkte, die ich daraus mit aufs Podium nehmen kann.

      Gerade der Bereich “formal” für effizienz und Grundlagenwissen ist ja immer wieder gern Aufhänger für den Disput um die Notwendigkeit/das Hilfreiche von Didaktik. Aber da sind wir beide uns wohl onehin sehr einig…

      Am Beispiel Flipped Classroom kann man sicher gut die Frage festmachen, wo für jeden einzelnen “informell” anfängt…

      Dank und Gruß
      Jasmin

      • Liebe Jasmin,
        gerade heute bin ich auf diesen interessanten Artikel zur betrieblichen Kompetenzentwicklung gestoßen: http://www.bibb.de/de/51311.htm#%29 Informelles Lernen wird ja oft mit dem Begriff arbeitsplatzintegiertes Lernen verknüpft und oft ist damit gemeint, was als klassische Unterweisung/Hilfen am Arbeitsplatz schon immer gang und gäbe war. Zu diesem Schluß kommen auch die Verfasser des Artikels und ordnen solche Lernformen eher den klassischen Lernformen zu. Als wirklich modern, im Sinne von Kompetenzentwicklung für heutige Anforderungen, bezeichnen sie Modelle, wie Qualitäts-/Lernzirkel, Jobrotation und Austausch mit anderen Unternehmen sowie selbstgesteuertes Lernen durch Fernunterricht, audiovisuelle Hilfen wie Videos, computergestütztes Lernen, Internet. Es wird also ausdrücklich ein Mix aus verschiedenen Lernformen bevorzugt und der Blick stärker auf gezielte Entwicklung fachübergreifender Kompetenzen gerichtet. Genau dieser Blick fehlt mir in der Diskussion um das informelle Lernen. Vielleicht wäre das auch noch ein interessanter Punkt für die Diskussion.

        Herzliche Grüße
        Cornelie

        • Spannender Artikel – herzlichen Dank!
          Ganz hilfreich, die Formate so aufgelistet zu sehen.
          Vielleicht hätten heute auch schon ein paar andere Formate einen größeren Stellenwert – ein bisschen was hat sich durchaus bewegt in den letzten Jahren.

          Den Fokus “MIX” nehme ich auch unbedingt mit – ebenso den Fokus “Potenzial des Fachübergreifenden”.

          Statt einer Diskussion um “Was ist informell” könnte man auch Verzahnung mit konkreten deutlich(er) informellen Formaten erfragen. Wie zum Beispiel… Na, da braucht es wohl noch einmal ein bisschen Muße… Vielleicht seid ihr da schneller mit Bespielen an der Hand: Was ist denn für euch eindeutig(er) informell? Ich frag euch das auch gleich mal über Twitter… ;-)

          Jasmin

          • Ein letzter Beitrag. Die Punkte 1 und 2 halte ich auch für ideale “Rezepte”, um formales mit informellem Lernen zu verbinden. Ich versuche mal, es mit einem Beispiel greifbar zu machen. Wenn Aufgabenstellungen nicht fachspezifisch, sondern interdisziplinär, als betriebliche Situationen konzipiert werden (Ermöglichungsraum) und die Studierenden/Lernenden die Aufgaben mit eigenen betrieblichen Beispielen/Lösungen anreichern können (Punkt 2), ergeben sich für die Lernenden automatisch Möglichkeiten, ihr betriebliches Wissen mit dem formalen Lernstoff zu verschränken und gleichzeitig wird der persönliche Zugang gefördert. Durch diese Verschränkung ergeben sich sicher intensivere Lernprozesse und eine höhere Motivation, als bei herkömmlichen Aufgabenstellungen. Werden diese Lösungen in einer moderierten Diskussion vorgestellt, so verstehe ich Punkt 1, ergibt sich eine Diskussion unter Experten, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und somit eine Vielzahl an Aspekten zu einem gemeinsamen Oberthema. Ich denke, auf diese Art profitieren letztendlich alle Beteiligten von einer Vorgehensweise, wie in Punkt 1 und 2 beschrieben. Die Dozenten wären in der Konzeptionsphase und auch bei der Auswertung natürlich zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Im Ergebnis dürften sie aber der Anforderung nach praxisorientierter Ausbildung viel besser gerecht werden, als mit herkömmlichen Mustern. Daraus ergäbe sich auch die Gegenfrage auf Deine Frage, ob man Lernende mitbestimmend einbinden muß: Warum machen wir das nicht viel öfter? ;-)

            Danke für die Gelegenheit zum Mitdenken.
            Cornelie

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