10. wbv-Fachtagung: Welche Rolle spielt die Didaktik im Web?

Nein, ich werde nicht den Pro-Didaktik-Part übernehmen im Streitgespräch der Fachtagung des Werner-Bertelmanns-Verlages am 21.10.2014 in Bielefeld, wenn die Rolle der “Didaktik im Web” diskutiert wird. Auch wenn Martin Lindner dabei ist, mit dem ich dieses Rollenspiel ja bereits mehrfach erprobt haben :-)

Meine persönliche Zusammenfassung der entsprechenden Diskussionen mit Links zu den Orten des Austauschs: http://www.jasmin-hamadeh.de/wer-darf-eigentlich-lernprozesse-gestalten/

Diesmal freue ich mich sehr darauf, den Dialog zwischen Martin Lindner und Lars Kilian moderieren zu dürfen. Wir laufen uns auf Twitter gerade warm dazu…

wbvft_didaktik_01Ihr und eurer Einmischen ist erwünscht. Gebt mir gern mit:

Welche Frage wollt ihr jemandem stellen, der der Meinung ist, das Internet ist ein guter Lernort, aber:

  • Didaktik stört da nur. (Wobei ich icht weiß, ob Martin Lindner das so sagen würde? > Würdest du, Martin?)
  • ohne Didaktik ist es kein Lernmedium.

Sehr sehr gern darf das Gespräch Bezug zum echten Leben haben… Gebt gern mit rein:

  • Hat jemand von euch im Web schon irgendwo Didaktik gesehen? Bitte um Fundstellen!
  • Oder: Was habt ihr vor Augen, wenn jemand von “Didaktik im Web” sprecht?
  • Ist es absurd, “Lernen im/mit dem Web” von Didaktik loszukoppeln?
  • Nervt die Diskussion? Was sollte man in dem Kontext gewinnbringender diskutieren?

Füttert gern hier ein oder per Mail oder helft auf Twitter, “die Kraft der Gemeinschaft” nutzbar zu machen, z.B. über #wbvft : Ich gebe erst einmal fünf Tweets “zum Warmlaufen rein”.

Auf praxisnahen Austausch mit “Erkenntnis to go” freut sich
Jasmin Hamadeh

formales und informelles Lernen – auf dem Podium

Und nun geht es auch nach außen sichtbar weiter mit dem Thema:
Verzahnung von formalem und informellem Lernen

Am 26.11.2013 findet die Hamburg-Station der eLearning SUMMIT-TOUR statt – unter der Überschrift “Innovation & Excellence in Learning“.

eLearning SUMMIT TOUR 2013_bannerIn der Podiumsdiskussion nach dem Mittagessen darf ich die Erfahrungen und Einschätzungen zur “Verzahnung von formalem und informellem Lernen” von vier Diskutanten moderieren.

Ich freue mich auf deren Perspektiven als Bildungsanbieter, als e-Learning-Akteure, als Bildungsdienstleister für Unternehmen – und als lernende Menschen:

  • Rolf Haasper, Leiter der DAA-Lernsysteme, Deutsche Angestellten-
    Akademie GmbH
  • Prof. Dr. Volkmar Langer, Präsident Hochschule Weserbergland (der seine Vorüberlegungen beflügelnderweise in seinem Blog schon einmal vorstellt)
  • Carsten Albrecht, Referent E-Learning, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
  • Hansjörg Lüttke, Geschäftsführender Vorstand, KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V.

Im Vorfeld habe ich den Beteiligten ein paar Fragen gestellt – und auch unerwartete Antworten bekommen. Die möchte ich gern teilen:

Spannend 1)
Rezept für VerzahnungEs gibt ein Rezept, formales und informellem Lernen zu verbinden.

Rezept:
Ermöglichungsrahmen schaffen + Problemlösung im betrieblichen Alltag + moderierte Reflexion.

Das wird von mindestens zwei Diskutanten auch bereits umgesetzt – und klingt erstaunlicherweise gar nicht wie ein “Spagat” – sondern als scheinbar natürlicher Brückenschlag zwischen Lernenden, Bildungsanbieter und Unternehmen.

Spannend 2)
Optimal: Der Lernende redet mit.
In Konzeption und Ausgestaltung der Lernangebote.

Wenn es nach der Mehrheit der Diskutanten geht, ist das eine notwendige motivationale und inhaltliche Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse.

Spannend 3)
Anerkennung informell erworbener Kompetenzen birgt auch Gefahren.

informell lernen fürs Portfolio?Die Diskussion um Anerkennung informeller Lernprozesse birgt auch eine Gefahr: Sie verführt dazu, vorwiegend in Hinblick auf die Verwertbarkeit für Bildungsbiografie zu lernen – und persönlicher Aspekte des Lernens zu vernachlässigen.

Spannend 4)
Präsidenten, Leiter, Referenten …  lernen vorwiegend informell.

Aus alle Rückmeldungen wird deutlich: Die Diskutanten lernen selbst “vorwiegend”, “fast alles”, “sehr vieles” informell.

Und gehen davon aus, dass man auch und gerade im Bereich Lernberatung und e-Learning-Entwicklung/-Strategie Kompetenzen vorwiegend informell entwickelt.

Spannend 5)
Da ist viel Gutes im scheinbar Schlechten.

Verunsicherung gehört zum LernprozessEines der genannten “hohen Güter” im Lernprozess hat mich durch die ausrückliche und eindringlicher Beschreibung aufgerüttelt:

“Im Lernprozess Verwirrungen, Verunsicherung, persönliche Regression, Fehler und Umwege” “akzeptieren und wohlwollend begleiten”.

Spannend 6)
Wo informelles Lernen und e-Learning zusammenkommen

"flipped classroom"Z. B. in “Inverted Classroom-” oder auch “Flipped-Classroom-Modellen”, in offenen Onlinekursen (siehe Volkmar Langes Blogpost) und durch das Online Verfügbarmachen oder haben von Informationen und Lernmaterialien (im Internet und in Lernmanagement-Systemen)

Spannend 7) – x)
Ihre / Eure Fragen und Einschätzungen:

  1. Wo sind Sie / Seid ihr skeptisch, überrascht, anderer Ansicht?
  2. Wo vermutet ihr die Grenzen der Verzahnung, die hier beschrieben ist?
    Kann man Bildungsanbietern diese Grundhaltung so “abhnehmen” – oder ist es halt das, was sie tun, damit informelles Lernen ihnen nicht das Wasser abgräbt?
  3. Geht es hier wirklich um die Verzahnung mit informellem Lernen? Oder ist ist das eigentlich doch noch etwas anderes?
  4. Wie autonom und mitbestimmend kann der Lernende hier wirklich eingebunden sein? Und muss er denn?

Ich freu mich auf eure Impulse, nehme sie sehr gern mit aufs Podium – und werde hier berichten.

Gespannt grüßt
Jasmin Hamadeh

Unternehmenstrainer in “neuer Lernkultur”?

Lernkultur in Unternehmen beschäftigt mich im Rahmen eines Artikels für das “Jahrbuch eLearning & Wissensmanagement 2014 – Herausforderung Lernkultur”. (Publikationen des eLearning Journals s. hier)

Mit “neuer Lernkultur” wird auch “entgrenztes” und “selbstorganisiertes Lernen” verknüpft. Ist das nun der endgültige Abgesang auf Trainer/Dozenten/Lehrkräfte in der beruflichen Bildung? Und macht das auch nichts, da die mit “Einführung von eLearning” in Unternehmen ohnehin schon keine Rolle mehr spielen?

Für sehr hilfreich, um das Thema “Lernkultur in Unternehmen” greifbar zu machen, halte ich u.a. die Dissertation von Judith Friebe: “Merkmale unternehmensbezogener Lernkulturen und ihr Einfluss auf die Kompetenzen der Mitarbeiter, Dissertation 2005; Universität Heidelberg”

Darin ihre Übersicht möglicher Merkmale und Merkmalsbereiche von Lernkultur in Unternehmen (S. 98): lernkultur_merkmalsbereiche_friebe_web Die gesamte Dissertation ist als Download abrufbar unter:
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/5847/1/Dissertation_Judith_Friebe.pdf (Stand 12.09.2013)

Einige dieser Merkmale können beschreiben helfen: Wo steht der Trainer/Dozent (die Trainerin/Dozentin), wenn es um Rahmenbedingungen des Lernens, respektive des eLearnings geht?

  • Wie kann ein Unternehmen aus Trainersicht dazu beitragen, dass aus Lernen besseres Handeln wird?
  • Was erlebt ein Trainer/eine Trainerin als förderlich?
  • Wie kann er/sie zu förderlichen Rahmenbedingungen beitragen?
  • Braucht man in “der neuen Lernkultur”, zu “Zeiten des selbstorganisierten und digitalen Lernens” überhaupt Trainer/Dozenten o.ä.?

In einige Unternehmen habe ich das zur Diskussion gegeben – und freue mich auf deren Rückmeldungen. Auch auf Ihre, wenn Sie zu dem Thema Erfahrungen teilen möchten.

Hier als Kommentar oder nehmen sprechen Sie mich direkt an.

Einladung zur Studie „LMS im betrieblichen Einsatz“

eLearning-Journal LMS-Studie

Hiermit gebe ich gern allen Projektverantwortlichen LMS-nutzender Unternehmen, die hier mitlesen, die Gelegenheit, an einer Studie zur Verbesserung von LMS teilzunehmen und eine Freikarte für den LMS-Thementag oder für eine der regulären SUMMIT-TOUR-Herbststationen zu erhalten – sowie ein kostenfreies Exemplar der Studienergebnisse.*
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Die Redaktion des eLearning Journals führt eine umfassende Marktforschungsstudie zum Thema LernManagementSysteme durch. Die Umfrage richtet sich an eLearning-Projektverantwortliche aus ca. 1.000 verschiedenen branchenübergreifenden Anwenderunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ziel dieser Anwenderumfrage ist, den Status Quo zum LMS-Nutzungsverhalten im deutschsprachigen Markt zu erfassen, Zahlen, Daten und Fakten zu generieren sowie eine erweiterte Orientierung für künftige Projektvorhaben im betrieblichen LMS-Einsatz zu bieten.

Sie möchten an der Studie teilnehmen? Unter folgendem Link können Sie sich anmelden: zur Registrierung

Nachdem die Redaktion des eLearning Journals Ihre Anmeldung verifiziert hat, bekommen Sie den Link zur Teilnahme an der Umfrage. Das Ausfüllen des digitalen Fragebogens nimmt etwa 10-15 Minuten in Anspruch. Die Beantwortung und Auswertung erfolgt anonymisiert über die Firma Electric Paper.

Als Dankeschön erhält jedes teilnehmende Anwender-Unternehmen ein kostenfreies Exemplar der Studienergebnisse sowie eine Freikarte für den LMS-Thementag oder für eine der regulären SUMMIT-TOUR-Herbststationen.

Am Ende der Umfrage erhalten die Studienteilnehmer einen Gutscheincode und ein Anmeldeformular für die Freikarte.”?

Erste Ergebnisse der Umfrage werden im Rahmen der SUMMIT Tour am Dienstag, 22. Oktober 2013, am LMS-Thementag in Ludwigsburg vorgestellt.

Kontakt:
Siepmann Media
Dorfstr. 28
27628 Albstedt
Tel: 04746 – 726 885, Fax: 04746 – 726 887;
doreen.vonoesen@elearning-journal.de
www.elearning-journal.de
www.youtube.de/dlmtv

*Für den Inhalt dieses Artikels sowie der hier verlinkten Seiten zeichnet Siepmann Media verantwortlich.

Ist Didaktik die “Guided Tour” durchs Lernen?

Ein interessanter Gedanken, der mir im Zuge unserer Diskussion nun zweimal begegnet ist: einmal irgendwo rund um und einmal von Martin Lindner auf Google+ in Reaktion auf den “Wer darf eigentlich Lernprozesse gestalten?”-Artikel.

Didaktik as “Guided Tour” wurde im Diskussionskontext immerhin schon einmal als etwas Positives – oder zumindest nicht Negatives dargestellt.

Aber es greift in meiner Wahrnehmung zu kurz:

Was es darüber hinaus gibt:

Mein Steckenpferd sind Seminare, in denen es Beziehungen gibt zwischen den Lernenden sowie zwischen Lernenden und Lehrenden.

Unter “Guided Tour” stelle ich mir einen Lehrplan vor: Aufzählung und ggf. Darstellung der relevanten Bereiche und relevanter Ziele mit zugehörigen Aufgaben. Dann können die Teilnehmer daraus machen, was sie wollen.

Das muss aber nicht alles sein: Wichtige weitere didaktisch mitgedachte Elemente können sein:

  • SeminarmoderationLösungs-Feedback: Peer-to-Peer
  • Moderatoren-Feedback zu Lösungen und Diskussionsbeiträgen
  • Fragen / Schwerpunkte, die die Teilnehmenden einbringen.
  • Angebot lernorganisatorischer Unterstützung

Ein Beispiel:

Am Bsp. von “meinen” Apotheker-Fortbildungen in moderierten Online-Seminaren sieht das didaktiksche Konzept so aus:

Teilnehmende kommen optimalerweise aus unterschiedlichen Erfahrungsbereichen:
z. B. Landapotheken, Großstadtapotheken, Krankenhausapotheken; aus Detuschland, Österreich der Schweiz, Österreich… mit langjähriger Berufserfahrung und altem Studien-Curriculum, oder weniger Erfahrung, dafür mit mehr Nähe zum aktuellen Curriculum.

Apothekerin bei der Arbeit | fotoliaAls Einstieg geben sie meist zum jeweiligen Seminarthema in einem Diskussionsforum Beispiele aus ihrer Praxis (z. B. Fragen zur Wechselwirkung verschiedener Medikamente, Fragen der Dosierung bei Alten, Kindern, Schwergewichtigen etc.). (> Praxisbezug, aktive Auseinandersetzung, Perspektivenvielfalt)

Sie stellen in dem Zusammenhang ihre Lösungen vor und in Frage, machen und diskutieren Vorschläge. Die Lehrende/Moderatorin stellt weiterführende Fragen, vernetzt die Beiträge, kommentiert, sortiert, achtet drauf, dass nichts Falsches unkommentiert stehen bleibt (, denn das könnte Konsequenzen sehr großer Reichweite haben). Sie zeigt dabei die Relevanz der Bereiche auf, die in den folgenden Aufgaben aktiv be- und erarbeitet werden. (> Relevanz – Praxisbezug)

In Einzelaufgaben, Teamaufgaben und Plenumsdiskussionen werden die Themen aktiv bearbeitet – in sinnvollem Zusammenspiel von Sozialform und Lernzielebenen. Mit Feedback von der Moderatorin/Lehrenden und den Kollegen/innen. Bei der Teamaufgabe auch Feedback während des Erarbeitungsprozesses (der in Diskussionsforen stattfindet.)

Dabei werden Fallbeispiele auch mal didaktisch reduziert, da die relevanten Zusammenhänge sonst nicht erkennbar sind und nicht eingeübt werden können.

Wo möglich und sinnvoll wird vermittelt und eingeübt, wie die Apotheker/innen nach dem Seminar aktuelle Informationen finden und bewerten – (z. B. indem geübt wird, Lösungen in Datenbanken zu finden und deren Ergebisse verglichen werden – mit dem Ziel Kriterien für die Bewertung der Informationen im Alltag zu entwickeln und anwenden zu können) und an welchen Stellen sie Rat einholen können.

Flankierend stellt das Studienmaterial die zugrundeliegenden relevanten Inhalte systematisch dar – mit Praxisbeispielen, aktivierenden Fragen und deren Auflösungen.

Es gibt auch den obligatorischen Multiple Choice Test – der neben Wissensfragen schwerpunktmäßig Anwendungsfragen umfasst (was auch, aber nicht nur Akkreditierungs-Hintergrund hat).

Parallel dazu: Ein Forum für sonstige Fragen aus der Praxis, in dem sich die Teilnehmenden gegenseitig austauschen und beraten – wiederum kommentiert von der Moderatorin.

Und dazu: Eine lernorganisatoriche Betreuung, die Unterstützung z. B. bei der zeitlichen Problemen oder Organisation der Teamarbeit anbietet und natürlich bei technische Fragen rund um die Lernplattform zur Verfügung steht. Alle Teilnehmenden können sich außerdem nach Abschluss eines Seminares in einem Alumni-Bereich für den weiteren Austauch vernetzen.

Zusammenfassend

Die dahinterliegenden didaktischen Überlegungen sind in meinen Augen weit mehr als eine “Guided Tour”.

Was ich unter Didaktik verstehe ist das, was in Zusammenarbeit mit fachlichen Experten (und sorgfältiger Erarbeitung eines Curriculms in einem internationalen Projekt) bei der Konzeptionierung dazu geführt hat:

  • Elemente sinnvoll verzahnenrelevante Bereiche zu identifizieren
  • angemessene Lernziele zu formulieren – auf unterschiedlichen Lernzielebenen
  • angemessene Methoden (und Kombination von Methoden) zu entwickeln
  • Sozialformen zielgerichtet einzusetzen
  • Aufgaben sinnvoll miteinander zu verzahnen
  • Lernenden die Möglichkeit zu geben, in der knappen Zeit, die ihnen zu Verfügung steht, von übergreifender Expertise zu profitieren, und ihrer sehr großen Verantwortung entsprechend handeln zu können
  • Lernenden Werzeuge an die Hand zu geben, nach dem Seminar vertieft und vernetzt weiter zu lernen, sich auf aktuellen Stand zu bringen.

Ich bin wirklich gespannt, ob das nun einen Impuls in die Diskussion bringt, der die Sichtweise ändert: meine oder die der “Kontra-Didaktik”-Fraktion. Aber vielleicht zeigt sich an dem Beispiel dann entgültig, dass das alles nur eine Auseinandersetzung um Begrifflichkeiten ist…

Wer darf eigentlich Lernprozesse gestalten?

Und im Nachgang zum UnUni.TV-Interview “Brauchen wir noch Didaktik?”, Teil 1 (Anja C. Wagner, Martin Lindner) und Teil 2 (Anja C. Wagner und ich) * hier sortierte und weitere Argumente, Gedanken und Beispiele und die Auflösung des “Aufwärm-Bilderrätsels

Aussagen, an denen ich mich aus dem “Austausch” am meisten reibe:

  • Didaktik = Entmündigung / Infantilisierung /
  • Didaktik = Notlösung bei fehlenden natürlichen Lernsituationen
  • Didaktik verhindert Selbstlernen

Die Diskussion, welcher Didaktikbegriff dieser Einschätzung zugrunde liegt (und ob überhaupt einer), wurde an anderer Stelle geführt/begonnen – und hat auch da, meiner Wahrnehmung nach, bei denen, die Didaktik aus o.g. Gründen “verweigert” wissen wollen, nichts bewegt.

Also neuer Versuch: Worum es Martin Lindner und Anja C. Wagner in diesem “Austausch” m. E. eigentlich geht, ist die Frage: Macht es Sinn, dass jemand anders als der/die Lernende selbst Lernprozesse gestaltet? Unter welchen Umständen?

meine These

Andere als der/die Lernende selbst sollen da (mit)gestalten, wo ein Mensch durch eigene Erfahrungen und Suche nach Antwort auf seine Fragen nicht das notwendige Wissen, die notwendigen Kompetenzen erhält, um verantwortungsvoll und/oder bestmöglich zu handeln.

Wo kann das der Fall sein?

1) Wenn das “Feld” nicht über Einzelerfahrungen der Lernenden erschlossen werden kann:

Und dabei muss es nicht um Kernphysik oder ähnlich Komplexes gehen. Es reicht der Alltag eines Elektrikers:

Elektriker, der zweiadrige Verdrahtung nicht kenntHat der aus seiner Alltagsbeobachtug abgeleitet / sich von Kollegen erklären lassen, dass bei drei Kabeln in der Stromleitung immer eines die Erdung ist, bekommt er in Altbauten mit zweiadriger Verdrahtung (bei der das dritte Kabel ohne Funktion ist) große Schwierigkeiten. In einem systematischen Lernprozess, der für diese Aufgaben gestaltet wurde, könnten folgende Ziele formuliert sein:

Der Lernende kann Kabeltechnik der 50er Jahre anhand folgender Kriterien erkennen: ….
Der Lernende erkennt die Gefahren, die beim Übergang zu moderner Kabeltechnik auftauchen.

Der Lernende kann in solchen Fällen Maßnahmen zum Herstellen der Sicherheit entwickeln und umsetzen.

Da ist m. E. die Zielsetzung “von außerhalb des Lernenden” wichtig und gehört zu einer verantwortungsvollen Vorbereitung auf die Tätigkeiten des Elektrikers.

> Eine institutionelle Ausbildung zum Elektriker, mit so etwas wie einem “Curriculum” finde ich hier wichtig. Dass das in der Praxis evtl. ein schlechtes Curriculum ist, oder Methoden gewählt werden, die den Ziele nicht gerecht werden, sind – in meiner Welt – typische Fälle fehlender oder mangelhafter Didaktik oder schlechter Umsetzung.

Drastischere Beispiele könnte ich aus der ärztlichen Arbeit wählen, aus der Arbeit von Piloten etc.

2) Der aktuelle Stand des “Feldes”, die Qualität möglicher Lösungen ist schwer einzuschätzen.

Wie kann man Essen garen?Die einen suchen nach Möglichkeiten, ihr Essen zu garen – die anderen haben das Feuer schon längst erfunden.

In der Praxis: Wer mich fragt, wie man eine 5-Zeilen-Tabelle in EXCEL zu einer 20-Zeilen-Tabelle ausdehnt, dem würde ich vielleicht erklären, wie man eine Zeile einfügt.

Er würde also 15 neue Zeilen einzeln einfügen und sein Problem wäre gelöst. Aber nicht sehr gut. Andere hätten ihm erklärt, wie man Blöcke kopiert und einfügt. Vielleicht gäbe es für seine Fragestellung auch bessere Wege als 15 Zeilen hinzuzufügen. Wenn er viel / professionell mit EXCEL arbeitet, wäre eine EXCEL-Schulung (mit sinnvoll gewählten Zielen und Wegen) eine große Bereicherung. Er würde das Potenzial kennenlernen, wissen, was geht und für seine Fragestellungen bessere Lösungen finden.

Das spannende Thema “Misconceptions” (unerkannte Fehlannahmen) ließe sich hier ankoppeln.

Adam und Eva stellen ihre Informationsquelle nicht in FrageUnd in dem Zusammenhang auch die Qualität der Informationen, des Wissens, das man sich selbstorganisiert aneignet:

Wären Adam und Eva auf den Gedanken gekommen, die Qualität der Information den Apfel betreffend in Frage zu stellen… wie würde unser Leben heute aussehen… ;-)

Um es auf Fragestellungen meines Arbeitsalltags zu übertragen: Wenn jemand in der Online-Lehre tätig sein will, würde eine anbieterunabhängige, aktuelle Schulung, Fort- / Weiterbildung enorm hilfreich sei, um die Vielzahl der technischen und didaktischen Möglichkeiten kennen zu lernen, die für ihn/sie geeignetesten Werkzeuge wählen zu können, die geeignetsten Wege der Gestaltung ihrer/seiner Lernprozesse und ggf. wesentliche DOs und DON’ts der Moderation. Die Gefahr, alles durch die Brille der eigenen Vorannahmen zu sehen (z. B. “Webinare sind konsumierbare one-way-Veranstaltungen”) und/oder durch die Brille, die ein Lösungsanbieter einem aufgesetzt hat, ist sehr groß.

Das Potenzial des Feldes bliebe unausgeschöpft, ein Projekt kann daran scheitern, viel Geld und Energie kann verschwendet werden – und keiner wüsste, woran es liegt.

Unter welchen Umständen macht es keinen Sinn dass der Lernprozess (auch) von andern als den Lernenden gesteuert wird?

Da bitte ich um Einspeisung / Perspektive von außen. So richtig konkrete Beispiele würden mir helfen, die Sorge besser zu verstehen, die hier vorherrscht. Geht es um jemanden, der Flyer erstellen will, um Grundschulbildung, um Sprachenlernen, um das Bachelor/Master-System?

mein Fazit

Lernprozesse gestalten kann heißen: Lernen über Lern-Zufälligkeiten und den Umfang des Alltagslernens hinaus. Qualitätsgesichert und mit Blick auf den Gesamtzusammenhang (Lernbereiche als Systeme verstehen, mit Subsystemen, Elementen und Beziehungen der Elemente zueinander).

Das ist in den Bereichen sehr notwendig, in denen man allein über Alltagserfahrung und selbstgesteuerten Austausch nicht das Wissen, die Fähigkeiten und Kompetenzen ererichen kann, die man für verantwortungsvolles Agieren braucht.

Vor dem Hintergrund ist (und jetzt kommt es dicke):

  • Lernzielorientierung nicht nur keine Schande, sondern in vielen Bereichen eine Notwendigkeit,
  • sog. “didaktische Reduzierung” ein angemessenes Mittel (, um schrittweise zur Komplexität zu führen),
  • sog. “Lernen auf Vorrat” wichtig (, wo es Lernen des Gesamtzusammenhangs ist).

meine Postulate

Natürlich sehe ich selbst, dass Lernprozesse sehr oft nicht so gestaltet sind, wie ich es als Potenzial darstelle.

Was braucht es, damit das Potenzial zum Tragen kommt?

1) Einbeziehen aller relevanten Akteure (z. B. Lernende, erfahrende Praktiker, Wissenschaftler, ggf. Arbeitgeber…) beim Gestalten eines Lernprozesses: Z. B. durch Aushandlungsprozessen zu:

Ziele und Wege aus Perspektivenvielfalt entwickeln

  • Welche Themen sind aus den jeweiligen Perspektiven bedeutsam?
  • Welche Fähigfkeiten/Kompetenzen braucht man der Erfahrung / Meinung der jeweiligen Perspektiven nach?
  • Welche Wege sind sinnvoll? Dabei unterschiedlichen Startpunkten, Präferenzen, Voraussetzungen gerecht werden – und Vielfalt an Möglichkeiten einbeziehen: Auch informelles und non-formales Lernen.
  • Wie kann man Perspektivenvielfalt und Praxisnähe / Aktualität nachhaltig beibehalten?

2) Sinnvolles Miteinander aller genutzter der Lernwege und -Arten (Seminare, kollegiales Lernen, selbstgesteuertes Lernen durch Lesen und Austausch etc.) gestalten.

meine Fragen querbeet

, die sicherlich auch gleich zu Gegenfragen verleiten – aber ich hätte nach dem allgemeinen “Didaktik-Bashing”, wie Axel Krommer es nennt, so gern einmal etwas Greifbares. Ich würde wirklich gern verstehen:

  • Wie sieht Lernen “ohne Didaktik” – oder ohne Fremd(mit)steuerung konkret aus?
    Martin Lindner schlägt so etwas vor wie:
    Pfleger Ausbildung?Erfahrene in der Praxis beobachten, dazu digitaler Austausch und darauf basierend so etwas wie eine “intensive Sommerakademie” – das kann ich mir nicht wirklich vorstellen – (und es kling mir auch sehr nach Gestaltung von Lernprozessen…)
  • Wie verhindert man dabei das Schmoren im eigenen Saft / Wie erreicht man den Blick “aufs Ganze”?
  • Was braucht man, um rein selbstgesteuert zu lernen? Reicht ein gutes “Design” der Lernumgebung (was ja letztlich das Leben selbst ist, oder?) ?
  • Wie verhindert man, dass sich ein motivierter Lernbegieriger frustriert von seinem Thema abwendet, weil er nicht herausfindet, was für ihn relevant ist/wird und wie er sich widersprechende Informationen einordnen kann?
  • Auf welchen Ebenen soll Didaktik “verweigert” werden / hindert Didaktik am Lernen? Grundschule? Homepage erstellen? Fremdsprachern lernen? …
  • In welchen Bereichen, unter welchen Voraussetzungen – und wie – kann man auf Educamps und über digitalen Austausch besser lernen als in einem Rahmen, den relevante Akteure systematisch und fundiert/geprüft geschaffen haben.
  • Inwiefern führt in o.g. Weise “gesteuertes” Lernen dazu, dass man nicht mehr selbst-/autodidaktisch lernen kann?

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* und auch im Nachgang zu dem darauf folgenden schriftlichen Austausch auf UnUni.TV, Google+ (rund um Martin Lindner) und Twitter (hier v.a. @nele_we (Cornelie Picht), @acwagner, @martinlindner, auch @mm_hamburg  (Jöran Muuß-Merholz) und @mediendidaktik_ (Axel Krommer); z. T. auch hier zusammengestellt.

** Grafiken 1 und 2 ClipArtGallery; alle Handzeichnungen von Bernd Wohlfahrt: Creative Commons Lizenzvertrag  Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

ununi.TV: 06.09.13: Ja, wir brauchen Didaktik.

Kurz und in den Bildern

Während ich mich gerade fragen wollte, “Brauchen wir eine Didaktik-Debatte?”, schenken mir Martin Lindner und Anja C. Wagner in einer ununi.TV-Folge eine Steilvorlage erster Güte: “Brauchen wir noch eine Didaktik?

Sie sagen Nein! Ich sage Ja! und freu mich sehr, die Gedanken aus dem Interview im Gespräch mit Anja am Freitag 06.09.2013 um 12.30 Uhr weiter zu beleuchten.

Hier ein paar Thesen in Zeichnungen. Vielleicht weckt das in dem ein oder der anderen schon eine Idee, wo ich argumentativ stehe. Wenn nicht: ununi.TV schauen!
Nachtrag 09.09.2013: Auflösung des “Bilderrätsels” hier.

feuer_machen_web

ziel_wege_webadam_eva_schlange_web  elektriker_web  pfleger-ausbildung_web

Zeichnungen von Bernd Wohlfahrt: Creative Commons Lizenzvertrag
Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Meine Beweggründe in Worten:

Seit Monaten drehen sich meine “Muße-Momente” um Überlegungen zu MOOCs, OER, formalem / informellen Lernen.

Die Muße Momente werden rarer, aber vielleicht bremst auch die aufkeimende Sorge,  immer wieder zu lesen und hören:

  • Alles muss OER sein.
  • Es wird eh vor allem informell gelernt (“mindestens 70%!”) – formal ist nur Relikt.
  • Formale Bildungsangebote wollen ja nur “Unwissende mit Wissen füllen”…

Und ich mag mich nicht immer wieder sagen zu hören / schreiben sehen:

  • Aber Qualitätskontrolle.
  • Aber Struktur.
  • Aber Komplexität.
  • Aber Werkzeuge lernen…

und mich dabei heimlich fragen, ob ein unsachlicher Beweggrund für diese Meinung ist, dass ich Didaktik als mein Steckenpferd und Broterwerb eben einfach verteidigen will…

Da schenken mir Martin Lindner und Anja C. Wagner in einer UnUniTV-Folge eine Steilvorlage erster Güte: “Brauchen wir noch eine Didaktik?

Ich freu mich sehr, die Gedanken aus dem Interview im Gespräch mit Anja am Freitag 06.09.2013 um 12.30 Uhr weiter zu beleuchten. Unser Vorab-Austausch hat mir schon einige Ahas! beschert. Anja hat in unseren Mails den großen Nutzen des “Design Thinking” Ansatzes herausgestellt, dessen Grundlage die Empathie, das Mitdenken aller relevanter Perspektiven ist.

Das Gespräch und die Auseinandersetzug mit Martins Thesen sehe ich als sehr gute Gelegenheit, meine “pro-Didaktik-Ansichten” auf den Prüfstein zu stellen.

Alle live-Zuschauer, Nach-Schauer, Meinungen, Ideen… herzlichst willkommen!

Sinnvolle Verzahnung von formalem und informellen Lernen: Nabelschau

Brückenbedürfnis

bruecke_clipartBei dem Lektürestudium zum Thema “formales und informelles Lernen” (im Zusammenhang mit meinen / unseren Überlegungen hier und hier) wächst mein Bedürfnis nach Brücken zum Alltag. Daher hier ein Aufruf zur Nabelschau:

Zielgruppe “e-Learning-Akteure“: An welchen formalen Lernprozessen haben Sie in den letzten ein, zwei Jahren teilgenommen / nehmen Sie gerade teil? “Formal” hier im Sinne von institutionell eingebunden, mit Curriculum / Lehrplan, Lernerfolgskontrollen / Bewertungen und auf irgend eine Weise dokumentiertem Abschluss – auch Anbieter- oder Unternehmensinterne “Abschlüsse”.

Warum nicht einfach mal fragen?

Schauen wir doch mal, wie weit wir kommen – mit einer kleinen anonyme Umfrage dazu.

tafel_aufgabe_clipartZum einen, um aus individuellen Perspektiven mögliche “Unique Selling Points” von formalen Lernprozessen zu sammeln – zum anderen auch, um zu schauen, ob für die Aktivitäten-Bereiche, die ich im Kreis “meiner Leser/innen” – und deren Kreisen – vermute, überhaupt attraktive formale Angebote gibt. Und wenn es sie gibt: Was sie attraktiv macht.

Vielleicht sind Sie nicht sicher, ob Sie” e-Learning-Akteur/in” sind? Ob das, woran Sie teilgenommen haben, nun “formal genug” ist – auch weil ich mich da (noch?) nicht auf Defiitionen festlegen mag. Macht nichts – trotzdem gern mitmachen und weitersagen. Ist ja ein Anfang und gerade die Grenzbereiche, die sich dabei auftun, bergen wahrscheinlich besondere Erkenntnisse. Es geht ja erst einmal um eine Annäherung. Also: Ich freue mich sehr über Ihre Teilnahme und die Verbreitung der Umfrage.

Und dann?

Vielleicht kann man daraus exemplarisch Schlüsse ziehen / Thesen bilden für Gebiete, in denen es keinen etablierten “Kanon”, keine bewährten Curricula o. ä. gibt – und/oder zu einer “medienkompeteten Zielgruppe“, die zudem auch noch in der Lage ist, sich viele Bereiche selbst zu erarbeiten.

Ich sammel bis Ende Mai und gebe im Laufe des Juni hier im Blog weiter, welche Ergebnisse, Erkenntnisse, Thesen, Fragen etc. ich aus den Antworten gewinne.

Und nun zur Umfrage

alte_dame_pc_clipartEgal, ob Sie einen vhs-Kurs zu Photoshop gemacht haben oder einen Social Media MBA, ob Sie ein Wochenendseminar zum online-Schreiben oder eine Webinarreihe zu WORDPRESS besucht haben – füllen Sie gern das Formular aus (6 kurze Fragen).
Gern auch mehrfach – pro Formular immer eine “Schulung”/”Maßnahme” o. ä.

anonyme Umfrage Formales Lernen 2013

In welchem Bereich haben Sie in den letzten ein oder zwei Jahren an einer formal organisierten Fort- oder Weiterbildung teilgenommen?

Wie sah diese "Maßnahme" aus? Zeitraum, Stunden "Lernzeit", reine Präsenz? e-Learning- oder Blended-Learning-Format?

War/Ist das eine unternehmensinterne Maßnahme? Oder bei einem externen Anbieter? (Wenn Sie es weitergeben mögen: Bei welchem?)

Gab es einen Abschluss? Was für einen (IHK-Zeugnis, Haus-Zertifikat, MBA...)?

Was haben Sie dafür bezahlt? Hat jemand (z. B. der Arbeitgeber) die Kosten oder einen Teil davon übernommen?

Warum haben Sie diesen Weg gewählt, statt rein selbstgesteuert zu Antworten, Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen ... in dem Bereich zu gelangen?

Womit beschäftigen Sie sich beruflich schwerpunktmäßig?

Raum für Kommentare

Dank und Gruß von
Jasmin Hamadeh

*alle Grafiken des Artikels aus der Microsoft Clipart-Sammlung

Sinnvolle Verzahnung von formalem und informellen Lernen: Die Reise geht weiter

Ich hatte hier ja bereits geschildert, was mich zu dem Thema bewegt… Jochen Robes hat es in der Diskussion auf Google+ eine “spannende Reise” genannt. Hier die ersten Erlebnisse/Ergebnisse, die Fäden ein bisschen weiter gesponnen:

Die Diskussionen um dieses Thema auf dem educamp Hamburg und der Auftaktveranstaltung der eLearningSummit-Tour in Köln zeigen deutlich:

Die Fragestellung wird von unterschiedlichen Positionen in der Bildungslandschaft sehr unterschiedlich wahrgenommen. Sie entspringt sehr verschiedenen Notwendigkeiten und ist mit sehr verschiedenen Herausforderungen konfrontiert – je nachdem, ob ein Akteur vom Schul-, Hochschul-, Ausbildungsbereich oder von der externen oder unternehmensinternen Fort und Weiterbildungswelt geprägt ist.

Für manche Akteure ist es wichtig, genaue Abgrenzungen zu finden zwischen z.B. informellem, nicht formalem, inzidentellem und selbstgesteuertem Lernen und auch das formale Lernen zu differenzieren in Hinblick auf seine institutionelle organisatorische Einbettung.

Da tut man also besonders gut daran, sich klar zu werden: Was genau ist meine Fragestellung? Wie viel Differenzierung und Begriffsklärung ist nötig – und wo hilft sie, bessere Lösungen zu finden?

Meine Fragestellung:

Für Arbeit in Unternehmen, gleich welcher Größe, braucht man Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen. Wie kommen Menschen zu dem, was sie dort brauchen?

  1. Sie bringen Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen mit.
  2. Sie erwerben es durch Problemlösung im Arbeitsprozess
  3. Sie bekommen es durch organisierten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Wie können diese drei Bereiche zum Nutzen der Lernenden wie auch der Bildungsanbieter (darunter auch Anbieter innerbetrieblicher Fort- und Weiterbildungen) miteinander verzahnt werden?

(Anmerkung: Das unter Punkt 1) genannte, „mitgebrachte Wissen“ führt zum Themenbereich Anerkennung von Vorwissen und Fähigkeiten etc. Das möchte ich erst einmal außen vor lassen und dort wieder aufgreifen, wo es uns im Zusammenhang mit Punkt 2) „Sie erwerben es durch Problemlösung im Arbeitsprozess“ schnell wieder einholen wird.)

Ich unterscheide für diese Fragestellung schlicht:

Lernangebote im Rahmen von betrieblichen und nicht betrieblich organisierten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen auf der einen Seite: von und / oder für Unternehmen geplant und durchgeführt. Das nenne ich hier „formales Lernen“. Und auf der anderen Seite, das beruflich relevante Lernen, das der Lernenden selbst gezielt oder beiläufig in Gang setzt oder organisiert. Das nenne ich hier „informelles Lernen“.

Schauen wir, wie weit sich die Schlichtheit dieser Trennung aufrecht erhalten lässt.

Bsp. für informelles Lernen aus den bisherigen Diskussionen:

  • “kollegiale Hilfe”
  • Co-Working Spaces
  • lernen durch Tun: Trial and Error

Bsp. für informelles Lernen mit e-Learning-Komponenten:

  • Homepages erstellen mit Informationen, Anleitungen etc. aus Fachblogs online-Tutorials (z.B. auf Youtube)
  • Indonesisch lernen durch Selbstlernprogramme
  • online Communities of Practise: strukturierte, ggf. moderierte Fach-Diskussionsforen

Auf dem Educamp regte Christian Reuter an, die Szenarien anhand von Unterscheidungsmerkmalen in einer Matrix zu beschreiben. Ich setze seine Anregung hier um – vielleicht generiert es Erkenntnisgewinn:

Abschluss organisiert von Lernorte Zeitrahmen Inhalte Lehr-/Lern-Ziele
Bsp. A
Bsp. B
Bsp. …

Welche Kriterien brauchen wir? Was ist sinnvoll zu unterscheiden für die berufliche Fort- und Weiterbildung? Anregungen willkommen!

Dank an dieser Stelle für den mehrfachen Hinweis darauf, ausdrücklich sowohl die Lerner- und die Anbieterperspektive mitzudenken – und auch auseinander zu halten.

Ansätze für mögliche Szenarien, in denen formales, informelles und selbstgesteuertes Lernen miteinander verzahnt sind: 

Aus dem educamp:
aus der Perspektive “formales Lernen”: 

  • Formale Lernziele (>Curriculum) stimmen oft nicht mit persönlichen Lernzielen überein > für individuelle Schwerpunktsetzung informellen Bereich “anbahnen”
  • generell: Option, in formale Angebote eigene Schwerpunkte/Fragen/Erfahrungen zu integrieren:
  • Formal ist der Abschluss, den ich haben will. (bzw. haben muss) (Abi, Uni-Magister, Diplom, Master of…) – der Weg dahin kann auch jenseits formaler Angebote führen: Beispiel Menschen, die sich außerhalb der Schule aufs Abi vorbereiten.
  • “Learn to unlearn!”

Spannungsfeld: Lernen ist über formale und informelle und selbstgesteuerte Wege möglich und findet auch auf allen Wegen statt: Bsp: Ziel: Englisch Lernen: Läuft in der Schule formal & informell z. B. via Skype-Diskussionen auf Englisch
> Wir brauchen Lernszenarien, die all diese Wege möglich machen.

Aus der Perspektive des informellen und selbstgesteuerten Lernens:

  • Anerkennung informell erworbenen Wissens/Könnens
  • Lerner für selbstgesteuertes Lernen fit machen
  • Sozialisation der Lernenden mitdenken (wie lernen/erfahren sie in Kindergarten, Grundschule etc. Lernen?)
  • Peer Education

Aus dem eLearningSUMMIT in Köln und der „Sonderausgabe Konferenzband“ des eLearning Journals Ausgabe April 2013

Prof. Dehnbostel: WIKIs, Lerninseln > am Arbeitsplatz „Arbeitsprozesse unter lern-systematischen und arbeitspädagogischen Gesichtspunkten erweitern und zu bereichern“, Communities of Practice auch als online Communities ermöglichen (ggf. mit zusätzlichen Präsenztreffen)

Norbert Büning nennt auch Lerninseln, WIKIS, Chats, Wissensmanagement-Systeme. Gewinnbringend wird da sicherlich, konkrete Szenarien zu beschreiben, wie diese Elemente in einen arbeitsbezogenen Lernprozess integriert werden können.

Ellen Trude äußert sich kritisch zur Art, wie oftmals digitales Wissensmanagement und Social Media in Unternehmen für Lernprozesse eingeführt und genutzt werden (sollen), formuliert aber einen Ansatz, der ein weites Feld bei den Verzahnungsüberlegungen öffnen kann: In Ergänzung zu klassischem Training wird die „Rolle als Lern- und Netzwerkbegleitung“ und als „Initiator und Moderator von Lernprozessen“ bedeutsam.

Auch Jochen Robes und Karlheinz Pape verweisen in der Google+-Diskussion auf diese mögliche Rolle des Lehrenden und den Blick auf das Unterstüzen, Ermöglichen von Lernprozessen als “(Lerner-)externe Dienstleistung”.

Soweit der Zwischenstand. Die Reise geht weiter. Für die nächste Etappen strebe ich an: Konkrete Beispiele für die Verzahnung und Anfang einer Sammlung möglicher Szenarien – oder zumindest verzahnbarer Bausteine.

Beispiele, Gedanken, Hinweise auf Studien, Best / Common / Bad Practice von euch und Ihnen sind sehr willkommen!

Ganz herzlichen Dank allen, die bisher schon so inspirierend mitgedacht haben,
Jasmin Hamadeh

 

*alle Grafiken des Artikels aus der Microsoft Clipart-Sammlung

das Beste aus zwei Lernwelten

Seminare? Zur Not…

Wie lernen Sie, wenn Sie…

  • Windows 8 verstehen wollen?
  • die neue Funktionen für EXCEL 2013 anwenden können müssen?
  • ein Backup für die WordPress-Seite erstellen sollten?

oder auch wenn Sie

  • Zugang zu klassischer Musik finden?nachvollziehen möchten, wie es zur Gründung der Vereinten Nationen kam…
  • wie die Kunst von Hans Arp einzuordenen ist…
  • einen Zugang zu klassischer Musik finden wollen…
  • Ihr Business English aufbessern müssen…

Ich mach das so

Ich schau im Internet – ganz klassisch über eine Suchmaschine (bei mir ist das Ixquick), ob ich da was finde, das mir zumindest einen Einstieg gibt. Ich suche auch nach Tutorials über youtube. Zur Not gehe ich auch in Fachforen.

Als gut organisierte und disziplinierte Selbstlernerin glaube ich, “den Rest” schaff ich dann selbst – auch wenn das gegen eine Vielzahl meiner didaktische Überzeugungen ist, die ich anderen gegenüber habe, u.a. in Hinblick auf “Misconceptions” und Lernzielebenen…

"eigene Leute online fragen"Finde ich da nicht, was ich suche, frage ich “meine Leute“, ob die eine Idee haben, wo ich was Passendes finde – meist auch über den online-Weg: Mails, vielleicht Twitter, vielleicht eine Google+ Community, wenn es sich thematisch anbietet.

Und wenn es gar nicht anders geht – weil ich nicht finde, was ich brauche – oder merke, dass ich mit dem Angebotenen nicht weiterkomme – dann schau ich vielleicht, ob ich das Thema fallenlassen kann…

Kann ich nicht? Dann würde ich schauen, ob ich ein SEMINAR o. ä. dazu finde. Erst dann. Und nicht, weil ich mich gegen klassische Lehre entschieden hätte oder nicht gern Leute treffe – ganz im Gegenteil! Nur geben das die Umstände im Moment nicht her. Oder anders: Wenn ich mich auf feste Zeiten für Treffen/Kontakte einlasse, dann sind meine Prioritäten: Freunde und sehr ausgewählte Netzwerktreffen.

Das machen viele so, die ich kenne. Ich vermute, das hat etwas Repräsentatives… Da gibt es doch bestimmt Studien zu? Ich freue mich über Hinweise!

Intro – nicht Abgesang

Und ist diese Erkenntnis jetzt der (unoriginelle und schon oft angestimmte) Abgesang auf formales Lernen in Seminaren u.ä.? Nein nein.

Ganz im Gegenteil: Das ist das Intro zu: Wie können wir die gut geeigneten und akzeptierten  Wege des informellen Lernens nutzen, um formale Angebote zu entlasten, effektiver zu machen, attraktiver, günstiger oder oder? Fokus online-Lernen.

Der Plan der Plan

  • Status Quo feststellen: Vorauswahl & Vorauswertung, was zu dem Thema bereits zu finden ist.
  • Sammeln und clustern: Wie wird informell gelernt? S.o. – Arten von Informationsquellen, auch “informelle Formate” wie MOOCs, Fachforen, online-Communities für ein Lernen über reine Wissenvermittlung hinaus – aber auch – für welche Fragestellungen/Zielsetzungen funktioniert das? Wie effektiv? Wie “gesichert” ist die Qualität der “Ergebnisse”?
  • parallel herausarbeiten: Was sind – aus Perspektive der Lernenden – die spezifischen Qualitäten formaler Lernprozesse, was sind ihre USPs?
  • Daraus konkrete Szenarien sammeln, entwickeln, clustern: Wie lässt sich Informelles an formale Angebote koppeln – oder offener: Wie lässt sich aus der Kombination informeller mit formalen Lernprozessen etwas Sinnvolles schaffen? Sinnvoll im Sinne von z. B. “es ermöglicht etwas”, “es vereinfacht etwas”, “es verbessert etwas”.

Ein naiver Plan? Viel zu weites Feld? Mag sein. Andererseiits – das soll nicht zwangsläufig Dissertations-Umfang oder -Charakter haben – und wichtiger als z. B. eine Vollständigkeit der Status-Quo-Recherche sind mir hier greifbare, umsetzbare Szenarien.

ZielsetzungZielsetzung

Szenarien finden und beschreiben, die mit der sinnvollen Kombination aus formalen und informellen Lernprozessen einerseits das Portfolio von Bildungsanbietern sinnvoll ergänzen/verändern  – und andererseits einer Vielzahl von Lernenden adäquate Lernformate von hoher, gesicherter oder zunmmindest transparenter Qualität eröffnet.

Mitdenker/innen willkommen! Ebenso Informationen zu möglichen Schnittstellen zu Vorhaben anderer, zu möglichen Projektmitteln o.ä., gut gemeinte Warnungen und Empfehlungen, Praxis-Beispiele, Links, Impulse.

Oder hat das schon jemand gut aufgearbeitet & erarbeitet, auf dessen Ergebnissen man weiter denken kann – oder gar nicht mehr muss?

Ich werde Zwischenstände bloggen und freue mich auf austauschintensive Monate.

 

*alle Grafiken des Artikels aus der Microsoft Clipart-Sammlung