Sinnvolle Verzahnung von formalem und informellen Lernen: Die Reise geht weiter

Ich hatte hier ja bereits geschildert, was mich zu dem Thema bewegt… Jochen Robes hat es in der Diskussion auf Google+ eine “spannende Reise” genannt. Hier die ersten Erlebnisse/Ergebnisse, die Fäden ein bisschen weiter gesponnen:

Die Diskussionen um dieses Thema auf dem educamp Hamburg und der Auftaktveranstaltung der eLearningSummit-Tour in Köln zeigen deutlich:

Die Fragestellung wird von unterschiedlichen Positionen in der Bildungslandschaft sehr unterschiedlich wahrgenommen. Sie entspringt sehr verschiedenen Notwendigkeiten und ist mit sehr verschiedenen Herausforderungen konfrontiert – je nachdem, ob ein Akteur vom Schul-, Hochschul-, Ausbildungsbereich oder von der externen oder unternehmensinternen Fort und Weiterbildungswelt geprägt ist.

Für manche Akteure ist es wichtig, genaue Abgrenzungen zu finden zwischen z.B. informellem, nicht formalem, inzidentellem und selbstgesteuertem Lernen und auch das formale Lernen zu differenzieren in Hinblick auf seine institutionelle organisatorische Einbettung.

Da tut man also besonders gut daran, sich klar zu werden: Was genau ist meine Fragestellung? Wie viel Differenzierung und Begriffsklärung ist nötig – und wo hilft sie, bessere Lösungen zu finden?

Meine Fragestellung:

Für Arbeit in Unternehmen, gleich welcher Größe, braucht man Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen. Wie kommen Menschen zu dem, was sie dort brauchen?

  1. Sie bringen Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen mit.
  2. Sie erwerben es durch Problemlösung im Arbeitsprozess
  3. Sie bekommen es durch organisierten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Wie können diese drei Bereiche zum Nutzen der Lernenden wie auch der Bildungsanbieter (darunter auch Anbieter innerbetrieblicher Fort- und Weiterbildungen) miteinander verzahnt werden?

(Anmerkung: Das unter Punkt 1) genannte, „mitgebrachte Wissen“ führt zum Themenbereich Anerkennung von Vorwissen und Fähigkeiten etc. Das möchte ich erst einmal außen vor lassen und dort wieder aufgreifen, wo es uns im Zusammenhang mit Punkt 2) „Sie erwerben es durch Problemlösung im Arbeitsprozess“ schnell wieder einholen wird.)

Ich unterscheide für diese Fragestellung schlicht:

Lernangebote im Rahmen von betrieblichen und nicht betrieblich organisierten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen auf der einen Seite: von und / oder für Unternehmen geplant und durchgeführt. Das nenne ich hier „formales Lernen“. Und auf der anderen Seite, das beruflich relevante Lernen, das der Lernenden selbst gezielt oder beiläufig in Gang setzt oder organisiert. Das nenne ich hier „informelles Lernen“.

Schauen wir, wie weit sich die Schlichtheit dieser Trennung aufrecht erhalten lässt.

Bsp. für informelles Lernen aus den bisherigen Diskussionen:

  • “kollegiale Hilfe”
  • Co-Working Spaces
  • lernen durch Tun: Trial and Error

Bsp. für informelles Lernen mit e-Learning-Komponenten:

  • Homepages erstellen mit Informationen, Anleitungen etc. aus Fachblogs online-Tutorials (z.B. auf Youtube)
  • Indonesisch lernen durch Selbstlernprogramme
  • online Communities of Practise: strukturierte, ggf. moderierte Fach-Diskussionsforen

Auf dem Educamp regte Christian Reuter an, die Szenarien anhand von Unterscheidungsmerkmalen in einer Matrix zu beschreiben. Ich setze seine Anregung hier um – vielleicht generiert es Erkenntnisgewinn:

Abschluss organisiert von Lernorte Zeitrahmen Inhalte Lehr-/Lern-Ziele
Bsp. A
Bsp. B
Bsp. …

Welche Kriterien brauchen wir? Was ist sinnvoll zu unterscheiden für die berufliche Fort- und Weiterbildung? Anregungen willkommen!

Dank an dieser Stelle für den mehrfachen Hinweis darauf, ausdrücklich sowohl die Lerner- und die Anbieterperspektive mitzudenken – und auch auseinander zu halten.

Ansätze für mögliche Szenarien, in denen formales, informelles und selbstgesteuertes Lernen miteinander verzahnt sind: 

Aus dem educamp:
aus der Perspektive “formales Lernen”: 

  • Formale Lernziele (>Curriculum) stimmen oft nicht mit persönlichen Lernzielen überein > für individuelle Schwerpunktsetzung informellen Bereich “anbahnen”
  • generell: Option, in formale Angebote eigene Schwerpunkte/Fragen/Erfahrungen zu integrieren:
  • Formal ist der Abschluss, den ich haben will. (bzw. haben muss) (Abi, Uni-Magister, Diplom, Master of…) – der Weg dahin kann auch jenseits formaler Angebote führen: Beispiel Menschen, die sich außerhalb der Schule aufs Abi vorbereiten.
  • “Learn to unlearn!”

Spannungsfeld: Lernen ist über formale und informelle und selbstgesteuerte Wege möglich und findet auch auf allen Wegen statt: Bsp: Ziel: Englisch Lernen: Läuft in der Schule formal & informell z. B. via Skype-Diskussionen auf Englisch
> Wir brauchen Lernszenarien, die all diese Wege möglich machen.

Aus der Perspektive des informellen und selbstgesteuerten Lernens:

  • Anerkennung informell erworbenen Wissens/Könnens
  • Lerner für selbstgesteuertes Lernen fit machen
  • Sozialisation der Lernenden mitdenken (wie lernen/erfahren sie in Kindergarten, Grundschule etc. Lernen?)
  • Peer Education

Aus dem eLearningSUMMIT in Köln und der „Sonderausgabe Konferenzband“ des eLearning Journals Ausgabe April 2013

Prof. Dehnbostel: WIKIs, Lerninseln > am Arbeitsplatz „Arbeitsprozesse unter lern-systematischen und arbeitspädagogischen Gesichtspunkten erweitern und zu bereichern“, Communities of Practice auch als online Communities ermöglichen (ggf. mit zusätzlichen Präsenztreffen)

Norbert Büning nennt auch Lerninseln, WIKIS, Chats, Wissensmanagement-Systeme. Gewinnbringend wird da sicherlich, konkrete Szenarien zu beschreiben, wie diese Elemente in einen arbeitsbezogenen Lernprozess integriert werden können.

Ellen Trude äußert sich kritisch zur Art, wie oftmals digitales Wissensmanagement und Social Media in Unternehmen für Lernprozesse eingeführt und genutzt werden (sollen), formuliert aber einen Ansatz, der ein weites Feld bei den Verzahnungsüberlegungen öffnen kann: In Ergänzung zu klassischem Training wird die „Rolle als Lern- und Netzwerkbegleitung“ und als „Initiator und Moderator von Lernprozessen“ bedeutsam.

Auch Jochen Robes und Karlheinz Pape verweisen in der Google+-Diskussion auf diese mögliche Rolle des Lehrenden und den Blick auf das Unterstüzen, Ermöglichen von Lernprozessen als “(Lerner-)externe Dienstleistung”.

Soweit der Zwischenstand. Die Reise geht weiter. Für die nächste Etappen strebe ich an: Konkrete Beispiele für die Verzahnung und Anfang einer Sammlung möglicher Szenarien – oder zumindest verzahnbarer Bausteine.

Beispiele, Gedanken, Hinweise auf Studien, Best / Common / Bad Practice von euch und Ihnen sind sehr willkommen!

Ganz herzlichen Dank allen, die bisher schon so inspirierend mitgedacht haben,
Jasmin Hamadeh

 

*alle Grafiken des Artikels aus der Microsoft Clipart-Sammlung

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