cMOOC? Da kommt ja doch keiner.

MOOCs für Offliner, MOOCs für Persönlichkeitsentwicklung, MOOCs für den Fremdsprachenunterricht, für IT-Themen… Ich glaube auch, es ist heilsam, das Thema an konkreten Beispielen zu durchdenken.

(Entschuldigt, dass ich es diesmal nicht geschafft habe, mir vor meinem Artikle einen anständigen Überblick über den Stand der Diskussion zu verschaffen.)

Mit den konkreten Themen formt sich vor meinem inneren Auge auch eine Zielgruppe. Und das führt mich zu der in-die Suppe-spuckenden-Frage:

Glaubt ihr wirklich, dass da jemand mitmacht?

Es geht mir nicht um 150+ Teilnehmende. Aber durchaus darum, eine kritische Menge zu erreichen. Sonst geht cMOOCen nicht. Wie groß die sein muss, darüber haben wir auch zusammen schon viel herum gedacht.

Mein Fazit: Das hängt davon ab…

…wie viele Aktive sich zu einem Theme finden. Und da werfe ich jetzt mal 10 – 15 Teilnehmende in den Raum. Das ist in etwa die Anzahl derer, die ich beim MOOCen bisher ungefähr ihrem Hintergrund und ihren Einstellungen zuordnen kann und mit denen ich mich besonders intensiv beschäftige. Im Rahmen der Möglichkeiten. Die reichen mir/die brauche ich, damit da für mich etwas “rumkommt”. Kann natürlich sein, dass deren Beiträge für mich v.a. dadurch interessant sind, weil sie wiederum von 10 – 15 anderen profitieren, die nicht unbedingt mit “meinen” übereinstimmen… Das macht es noch schwieriger, denn meine These ist:

Es ist schwer, 10 – 15 engagierte Teilnehmende für einen MOOC zusammen zu bekommen. Egal, zu welchem Thema.

Von denen, die das cMOOC Format nicht kennen, wird kaum einer sich einschreiben, und von denen die es dann tun, wird kaum einer kontinuierlich beitragend mitmachen. Wer cMOOCs kennt, fürchtet sich davor, dass es unberechenbar ist hinsichtlich des eigenen “Gewinns” oder Kosten-Nutzen-Verhältnisses.

Können wir Kennzahlen erdenken? Z. B. 10% aller Registrierten sind regelmäßig aktiv. Verlässlich und vernetzend aktiv? Vielleicht mit ca. durchschnittlich 4 Kommentaren und einem eigenen Beitrag pro Woche? Oder, was könnten sinnvolle Kennzahlen sein?

(Wahrscheinlich wieder u. a. abhängig vom Thema: Wer sich bei IT-Themen in einen cMOOC einschreibt, macht vielleicht eher aktiv mit als bei Persönlichkeitsentwicklung?)

Worauf gründe ich diese These?

Ich “botschafte” seit vielen Jahren in Sachen moderierte online-Seminare. In unterschiedlichsten Kontexten habe ich dieses Format mitangeboten: Für mittleres Management, für Trainer, für Apotheker… Überall das Gleiche: Fast keine Drop-Outs – und das in berufsbegleitender Fort- und Weiterbildung (!), die Teilnehmenden-Beurteilung in (wissenschaftlich erarbeiteten) Evaluierungen durch die Bank überdurchschnittlich gut. Und trotzdem: Jede Runde wieder – enorm mühevolle Teilnehmer-Aquise, Multiplikatoren-Überzeugungsarbeit. Selbst, wenn man Seminare günstig in Pilotläufen oder für Test-Teilnehmer anbietet. Oft wirklich schwer, auch nur 10 Teilnehmende zu bekommen. (Nur eine Frage des Marketings? Das war/ist in der Tat nicht immer optimal, aber für manche Zielgruppen hat doch mitunter ein sehr gezieltes, kontinuierliches und “hartnäckiges” Marketing stattgefunden, auch von angesehenen  Anbietern, deren Qualität niemand in Frage stellen würde.)

Was hat das mit cMOOCs zu tun?

Ich stelle mir vor, die Zielgruppe eines cMOOCs zum Thema XY, ist eine Teilmenge derer, die evtl. an einem moderierten online-Seminar interessiert sein könnten: Thematische Fragestellungen, Bereitschaft (Notwendigeit?), online dabei als mehr oder weniger bekanntes Mittel zum Zweck. Vielleicht ein paar Teilnehmende außerhalb dieser Menge durch evtl. kostenlosen Zugang und evtl. dadurch, dass man ja erst einmal gucken kann, ob einem das liegt. Dafür aber deutliche Abzüge durch Skepsis bzgl. der Offenheit, Sorge bzgl. des “individuellen Outcomes”, Abzüge durch “ich kann/möchte nicht twittern / bloggen / G+ nutzen etc.

Ich bin sehr gespannt, was die angedachten Wetten und Pläne bringen – aber genauso skeptisch. Und es wäre mir die allergrößte Freude, hier eines Besseren belehrt zu weden!

Wenn ich an Erfahrungen mit  Alumini-Netzwerken aus online-Seminaren denke, stimmt mich das nicht optimistischer. Welche Formate hatten wir hier noch mit deutlichen Schnittstellen zum cMOOC? Sind da ermutigendere Erfahrungen dabei? Habt ihr Tipps / Bewährtes / Ideen zur Vermittlung des Formats?

Vielleicht kriegen wir da ein paar überzeugende Argumente, aussichtsreiche Marketingwege zusammen? Was ist für interessierte Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrende, Persönlichkeitsentwicklungs-Interessierte, SAPler, e-Trainer etc. relevant und überzeugend am cMOOC-Format? Oder ist das komplett themenspezifisch?

Eine erfolgversprechende Teilnehmenden-Aquise muss Voraussetzung eines jedes Geschäftsmodells sein – egal, wer letztlich bezahlt.

Also: Was haben wir?
Sehr gern bereit, Bedenken entkräften zu lassen, grüßt: Jasmin

 

 

11 Gedanken zu “cMOOC? Da kommt ja doch keiner.

  1. An der Uni können wir ja gemein sein und die Studierenden mit CPs locken. Die gibt es nicht für lau, sondern für die entsprechende Beteiligung durch Beiträge, die sie hinterher in einem Portfolio (digital) abgeben.

    Ich hatte noch eine ganz andere Überlegung: was bleibt denn, wenn keiner kommt = aktiv mitarbeitet? Eigentlich bleibt dann von einem cMOOC “nur” ein xMOOC: Lehrmaterialien werden bereitgestellt, Live-Efents finden statt. Für “Massive” Lurker würde ich das nicht problematisch finden, aber keiner, der zuckuckt: das wäre verschwendete Zeit für die Veranstalter. Daher denke ich, ist die Anmeldung schon ein zentrales Element, einfach auch um das Interesse zu prüfen.

  2. ich stimme dir da zu und denke dass es in erster linie nicht um bezahlt oder nicht bezahlt geht, sondern um die aktivierung und das dran bleiben.
    zertifikate und teilabschlüsse fungieren als (oft schein-) garantie dafür, dass sich das investment lohnt und machen es einfacher teilnehmer zu gewinnen, auch wenn der zuschnitt darauf den tatsächlichen lernbedürfnissen oft im wege stehen mag.
    dass der mmc13 in dieser form zustande kommen konnte, führe ich darauf zurück, dass bereits seit jahren eine vorgängige vernetzung statt gefunden hat und ich möchte mal behaupten, dass die aktivität derjenigen, die vorher schon miteinander in kontakt waren, am grössten ist. so gesehen ist die vernetzung voraussetzung von weiterer vernetzung ;-) und die lässt sich nicht aus dem boden stampfen.
    du sprichst von 10-15 teilnehmern, von denen du dir etwa ein bild machen kannst, dieses bild machen, so unvollständig es auch sein mag, finde ich persönlich zentral. ich habe zuallererst interesse an personen und deren umfeld, das ja dazu gehört. die themen spinnen sich dann in diesem zwischenraum. natürlich braucht es themen um leute erst einmal zu veranlassen, sich zu synchronisieren. aber besonders am anfang haben sie für mich eine platzhalterfunktion.

  3. Hallo Jasmin,

    Deinen kritischen Beitrag der ja auch Anregungen und Ideen enthält finde ich gut. Zu Deinem Vorschlag Deutsch für Ausländer habe ich schon konkret die Struktur erstellt. Der Kurs ist ebenfalls schon fertig. Dieser Kurst ist so konzipiert, dass der Einzelne Ihn komplett als Selbstlernstudium absolvieren kkann. Auch kann er online auf das in das Konzept integrierte Sprachlabor zurücjgreifenum somit eine Ausprache zu korrigieren. Das MOOC-Konzept wird von mir in diese Konzetion integriert und angepasst, so dass dann ab Ende Mai die Deutschkurse als MOOC angeboten werden kann. Der xMOOC bildet hier den Rahmen in den der cMOOC seinen Raum hat. Das Thema Open habe ich mir diesbezüglich genau durch den Kopf gehen lassen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass sich für nicht universitäre Einrichtungen ein kostenloser MOOC nicht realisieren lässt. Diese sind sowieso alle auf projektbais aufgesetzt und wenn die Finanzierung des Projektes ausläuft steht die Finanzierung im Regen. Ich werde deshalb für den Zugang und für die Nutzung der Lernplattform einen Beitrag von 15 EUR verlangen. Dieser Beitrag ist für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur. Die Inhalte, also die Nutzung des Sprachkurses sowie die angebotenen Inhalte sind für die Teilnehmer kostenfrei. Als Dienstleistung wird hier für die jeweilige Sprach eine Betreuung angeboten die kostenpflichtig ist. Es wird sowohl eine Einzelbetreuung geben als auch eine Gruppenbetreuung. Somit kann ich Sprachlehrern die über die erforderlichen Sprachkenntnisse in den Zielsprachen verfügen eine Möglichkeit bieten. Die monetären Aspekte dieser Betreuung müssen noch kalkuliert werden. Als Sprachen stehen hier Deutsch für Italiener, Deutsch für Franzosen, Deutsch für Nierderländer und Deutsch für Thailänder zur Verfügung. Weitere Deutschkurse werden noch angeboten. Bei diesen Konzept verfolgen ich nicht die Vorgehensweise wie die Volkshochschulen, bei der verschiedene Nationalitäten in einem Migrationskurs sind. Die Kurse werden für jede der genannten Nationalitäten separat angeboten. So können sich leichte Lerngruppen bilden da alle über dieselbe Muttersprache verfügen.

    Gruß Werner Povoden

    • Hallo Werner,

      gib gern weiter, ob das aufgeht. Spannend, mal so konkrete Überlegungen zu lesen.

      Ich nehm als besonders spannend mit:
      -Vielleicht ein Fremdsprachen-MOOC ganz anders, weil da Kommunikation an sich ja immer schon Ziel und Gewinn ist.
      - auch hier MOOC als Teil eines gestaffelten Modells mit “zukaufbaren Service-Leveln” (als Interessentin machen mich solche MOdelle immer sehrt skeptisch – als Anbieterin finde ich das total legitim…)

      - als Pragmatikerin und ehemalige DaFlerin würde ich die Nationailitäten-Trennung nicht unbedingt unterstützwen – aber da hast du wahrscheinlich ein bewährtes Konzept, das jetzt für die MOOC-Diskussion auch nicht Thema sein sollte. Vor dem Hintergrund der kritischen Menge dann allerdings vielleicht wieder…

      Würd mich freuen, von deinen Erfahrungen zu lesen!
      Jasmin

  4. Ich fürchte, dass Jasmin recht hat, obwohl ich 10 – 15 Teilnehmende jetzt doch als unterste Grenze setzen würde. Ich denke, 20 – 50 sollten sich finden lassen, unabhängig des Themas. Hingegen ist die Frage, was ein MOOC ist, eine wesentliche Rahmenbedingung. Meines Erachtens wird ein MOOC immer noch zu sehr als Kurs angesehen, z.B. “Deutsch für Anfänger”, wo in erster Linie Fakten gelernt werden sollen. Aber man kann und wird vermehrt auch Sichtweisen anstatt Fakten lernen. Ein MOOC ist für mich eine grosse Diskussion oder ein verbreiteter Dialog eines Themas, wo es nicht in erster Linie darum geht, eine Wahrheit zu finden, sondern sich mit etwas auseinanderzusetzen. Das ist eben auch Lernen, und je komplexer die Welt wird, desto wichtiger wird diese Form des Lernens.
    Wenn ich also ein MOOC in meinem Sinne machen würde, dann müsste ich unter denjenigen werben, die gerne denken und bereit sind, um über etwas nachzudenken, Zeit zu investieren. Zugegeben, das sind enorm hohe Anforderungen. Zudem sind wir mit dem zweiten O im MOOC noch etwas früh dran. Ich schätze, dass nur ca. 10% sich in der digitalen Welt bewegen und darin eine Quelle des Wissen (nicht Fakten, sonder Sichtweisen!) sehen.

  5. Also ich sehe das als ein Markting”problem”. Es gibt Anbieter, deren Online-Kurse sind bestens besucht.
    Interessant wären da einmal die Zahlen von Akademie.de.

    • Liebe Lore,
      das kann durchaus ein sehr bedeutsamer Faktor sein. Auch wenn ich glaube, dass es nur ein Faktor unter mehren ist. Du nennst ja schon die Zielgruppen und Themenproblematik unten.

      Aber bleiben wir beim Marketing – und schreiben also auf die Kostenseite: Marketing, Marketing – und Marketing!

      Da es in hohem Maße auch um die Vermittlung des Formats gehen wird, ist das harte und/oder teure Arbeit. Für die moderierten online-Seminare haben wir ausprobiert: Darstellender Kurzfilm durch den Seminar-Aufbau und Ablauf, Demo-Seminare mit freien Gastzugängen, Präsenz-Veranstaltungen zum Ausprobieren vor Ort, erläuternde Teilnehmerstimmen/O-Töne, Schaubilder, Vorträge, Berichte in Fachzeitschriften…

      Ist alles möglich – wenn auch für MOOCs nicht gerade einfacher – gehört aber in die Kalkulation. Vor allem in die zeitliche…

      Jasmin

  6. noch etwas: nicht jede Zielgruppe ist für einen Online-Kurs bereit oder auch für einen Online-Kurs zu dem speziellen Thema bereit.
    Eigene Erfahrung :-(

  7. Liebe Jasmin,
    ich höre Deine kritische Stimme immer wieder gerne. Denn viele Deiner Bedenken beschäftigen auch mich. Klar gibt es Online-Angebote, die gut besucht sind. In geschlossenen Lernsystemen, mit bestimmten Inhalten und aus Zielgruppen, hinter denen Arbeitgeber stehen, die sich eine notwendige Weiterbildung ihrer Angestellten erhoffen. Zu Online-Marketing, Mobile-Business, Social Media-Management und Online-Kommunikation.

    Das alles hat wenig zu tun mit cMOOC’s und Persönlichkeitsentwicklung. Eigenes Lernen in offenen Communities? Mach’ mal, aber bitte in Deiner Freizeit.
    Es wird viel von Soft Skills geredet, in Assessment-Centern spielen sie eine tragende Rolle zur Auswahl des “passenden” Bewerbers. Passend heißt hier aber: passend zur Firmenkultur. Denn die Organisation und ihr “Business-Modell” steht immer vor der Anerkennung des Menschen, seiner individuellen Kompetenzen und seiner intrinsischen Lernmotivation.
    Ich persönlich mag MOOC’s, aber ich persönlich bin auch ganz anders gestrickt als der Großteil der Menschen. Ich will lernen, ich muss lernen, um zufrieden und ausgeglichen zu sein. Mein Motor läuft, ich habe Ideen, ich teile gerne. Ich rede gerne, ich habe keine Angst, daß mir jemand anpöbelt oder kritisiert. Prozesse sind mir wichtig und Selbstreflektion.

    Daher ist das Web die perfekte Lern-Spiel-Wiese. Denn jegliche Art von Unterminierung meiner Motivation und meiner Kompetenz kann ich im offenen Online-Lernen unterbinden. Anders als in betrieblichen Kontexten, die mich einer hierarchischen Struktur unterwerfen, Anwesenheitszwängen und Soll-Zielen, die ich teilweise nicht mal vertreten kann, für die ich aber trotzdem arbeiten muss.
    Für mich ein Dilemma, denn als Freiberuflerin kann ich mein Geld andererseits auch nicht zusammen bekommen. Das verbieten die bestehenden Strukturen.

    Insofern finde ich das Wochenthema des #mmc13 “Geschäftsmodelle” sehr interessant. Außer cMOOC’s gibt es ja auch noch andere Optionen. (Worüber ich in der Wochenreflektion auch reden werde)

    Viele Grüße,
    Andrea

  8. Pingback: Die #mooccash-Woche ist rum! War was? - #MMC13 - der Open MOOC-Maker Course 2013

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